NEO: The World Ends With You03.09.2021, Jens Bischoff

Im Test: Die Reaper sind zurück

Ende Juli ist uns NEO: The World Ends with You (ab 44,99€ bei kaufen) doch tatsächlich durch die Test-Lappen gerutscht. Inzwischen haben wir allerdings Zeit für eine Rückkehr nach Tokio gefunden und klären, ob das Anime-Rollenspiel von Square Enix und h.a.n.d. ähnlich begeistert wie sein grandioser Vorgänger.

Es geht wieder los

Nach dem Erwerb zweier modischer Pins werden die beiden Freunde Rindo Kanade und Tosai Furesawa plötzlich Zeuge eines spektakulären Kampfes auf den Straßen Shibuyas. Was sie anfangs noch für Dreharbeiten zu einem neuen Superheldenfilm halten, wird jedoch schnell lebensbedrohlich. Nur dank einer unerklärlichen Vorsehung kann Rindo seinen Kumpel vor einem fatalen Zusammenprall bewahren, während die übrigen Passanten gar keine Notiz von den Ereignissen zu nehmen scheinen. Kurze Zeit später wird ihnen mitgeteilt, dass sie Teil eines Spiels sind, dem Spiel der Reaper.

Was zunächst wie Dreharbeiten für einen Film wirkt, wird schnell lebensbedrohlich.
Fortan müssen die beiden - wie auch schon Neku Sakuraba in The World Ends with You - diverse Aufgaben meistern, um nach sieben Tagen genug Punkte für den Sieg und damit einen möglichen Spielausstieg zu ergattern. Doch dieses Ziel haben auch andere und eins steht fest: Keiner will bei diesem Spiel Letzter werden...

Um die Aufgaben zu meistern, sind meist übersinnliche Fähigkeiten vonnöten. Anfangs können die beiden aber lediglich einen Scan ausführen, um Gedanken zu lesen. Durch das Scannen werden aber auch übersinnliche Monster sichtbar und auf die Ausführenden aufmerksam. Kommt es zum Kontakt, findet man sich kurz darauf in einer abgegrenzten Kampfarena wieder, wo man seinen Widersachern als Team gegenübertritt und mit psychischen Kräften einen Sieg zu erringen versucht.

Kämpferisches Kollektiv

In den teambasierten Echtzeit-Kämpfen dirigiert man die Fähigkeiten aller Gruppenmitglieder.
Im Kampf übernimmt man quasi parallel die Kontrolle über alle aktiven Gruppenmitglieder, die sich eine Lebensenergieleiste teilen und je nachdem, welche Pins sie ausgerüstet haben, entsprechende Aktionen per Knopfdruck ausführen können. Manche Manövern können aufgeladen und im richtigen Moment entfesselt, andere dauerhaft eingesetzt oder in schneller Folge wiederholt werden - zumindest so lange es genug Energie für die entsprechende Aktion gibt.

Durch wiederholte Einsätze nimmt diese nämlich stetig ab, während sie sich durch Aktionspausen wieder schrittweise aufladen lässt. Wer sämtliche Energie verbraucht, muss eine längere Zwangspause einlegen, kann anschließend aber wieder aus den Vollen schöpfen - taktisches Ressourcen-Management eben.

Außerdem kann man sich frei über das Schlachtfeld bewegen sowie Sprünge oder Ausweichmanöver initiieren. Darüber hinaus kann beim Kämpfen auch sogenannte Groove-Energie gesammelt und bei vollem Pegelstand in einem gemeinsamen Spezialangriff entladen werden, der allen Beteiligten einen vorübergehenden Kraftschub verleiht. Fluchtversuche sind ebenfalls möglich, aber nicht immer.

Herausforderung nach Maß

Geht ein Kampf verloren, kann man ihn allerdings wiederholen. Zudem kann man später dezidiert Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad einzelner Kämpfe nehmen und so individuelle Herausforderungen schaffen, um z. B. aufkommenden Frust zu reduzieren oder zusätzliche Boni zu erspielen. Darüber hinaus können später auch vergangene Tage wiederholt und nicht optimal absolvierte Herausforderungen mit besseren Voraussetzungen und Ergebnissen erneut angegangen werden.

Die generell einfach gehaltene Steuerung geht meist gut von der Hand, auch wenn trotz Zielaufschaltung Angriffe bei schlechtem Timing oder mangelnder Übersicht öfter mal ins Leere gehen können. Schade ist nur, dass auf Switch keine Touch-Funktionalität mehr wie im Vorgänger unterstützt wird. Auch der kooperative Kampfmodus, bei dem man sich Rückendeckung von einem weiteren Mitspieler holen konnte, wurde leider ad acta gelegt.

Stimmungsvolle Inszenierung

Die unter der kreativen Leitung von Tetsuya Nomura entstandene Inszenierung ist großartig.
Die Charaktere wurden einmal mehr unter der kreativen Leitung von Final-Fantasy- und Kingdom-Hearts-Designer Tetsuya Nomura äußerst stilsicher gestaltetet, während den verschiedenen Bezirken Shibuyas mit zahlreichen Passanten Leben eingehaucht wird. Auch der groovige Soundtrack sticht positiv heraus und untermauert eine insgesamt prächtige Inszenierung, die sich selbst vor einem Persona 5 nicht zu verstecken braucht.

Schade nur, dass nur ein Teil der Dialoge vertont wurde. Dafür kann man aber frei zwischen englischer und japanischer Sprachausgabe wählen sowie deutsche Untertitel aktivieren, die selbst im Handheld-Modus der Switch gut zu lesen sind. Schön ist auch, dass man den Spielstand abseits von Kämpfen, Dialogen u. ä. jederzeit speichern kann und Infos über bisherige Ereignisse, Errungenschaften oder Gegner in einem praktischen Archiv verewigt werden.

Man ist, was man isst

Die Wahl der Mahlzeiten hat maßgeblichen Einfluss auf die Charakterentwicklung.
Die Charakterentwicklung erfolgt nicht nur über Erfahrungspunkte und Stufenaufstiege, sondern auch über den Konsum von Mahlzeiten, die verschiedene Werte dauerhaft verbessern, aber nicht unbegrenzt vertilgt werden können, da die dadurch zugeführten Kalorien erst wieder in Kämpfen verbrannt werden müssen. Neben Lebens-, Angriffs- und Abwehrkräften können auch Stilwerte aufpoliert werden, die wiederum in getragenen Klamotten schlummernde Spezialkräfte erwecken können.

Außerdem kann man durch das Kaufen und Tragen bestimmter Marken im Kampf Werbung für die jeweiligen Hersteller machen und so in deren Läden immer bessere Klamotten und auch Pins erhalten. Warum die Kleiderwechsel nicht auch optisch abgebildet werden, ist mir allerdings ein Rätsel. Egal, was man trägt, das Aussehen der Gruppenmitglieder verändert sich nie...

Dafür kann man mit speziellen Punkten soziale Kontakte etablieren und so mit den entsprechenden Personen verbundene Boni aktivieren. Bestimmte Leistungen werden sogar mit Graffiti-Vorlagen belohnt, die man auf eine persönliche Ruhmeswand aufsprühen kann.

Sammeln mit Sinn

Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Ergattern und Weiterentwickeln der mit einzigartigen Kräften beseelten Pins, von denen es mehr als 300 unterschiedliche Exemplare gibt. Manche kann man kaufen, andere als Belohnung oder Kampfbeute erhalten. Durch regelmäßige Verwendung im Kampf werden die Pins automatisch stärker, viele lassen sich sogar in hochwertigere Pins verwandeln - ein Sammelwahn, der ungemein motiviert, da man mit jedem gemeisterten Pin im Gepäck stärker und flexibler wird.

Hohe Flexibilität: Über 300 Sammel-Pins können ergattert und im Kampf eingesetzt werden.
Gefallen haben mir auch die oft mit den Aufgabenstellungen verbundenen Rätseleinlagen, die neben durchaus abwechslungsreichen Such- und Kampfherausforderungen auch wissens- und logikbasierte Denksportaufgaben beinhalten. Dank Multiple-Choice-Strukturen landet man trotzdem nie in ausweglosen Denk-Sackgassen, auch wenn Navigation und Orientierung nicht immer optimal sind.

Der Clou sind aber einmal mehr die psychischen Spezialkräfte, die sich für das Weiterkommen einsetzen lassen. Neben dem Lesen von Gedanken, kann man z. B. auch Zeitsprünge machen und Schlüsselwörter sammeln, um jemandem bestimmte Ideen einzuflüstern, vergessene Erinnerungen in Puzzle-Manier wieder zusammensetzen oder mentale Invasionen vollführen, bei denen man sich unter Zeitdruck mehreren Gegnerwellen stellen muss.

Fazit

NEO: The World Ends with You ist ein klasse Anime-Rollenspiel, das wie schon sein Vorgänger mit ungemein stimmungsvoller Inszenierung sowie kreativen Zeit- und Gedankenmanipulationen begeistert. Das erneut sehr stilsichere Abtauchen in die von einem bizarren Wettkampf beherrschte Parallelwelt Shibuyas ist spannend, die auf den Fähigkeiten spezieller Sammel-Pins basierenden Team-Kämpfe sind dynamisch und flexibel, die Hatz nach neuer Ausrüstung motiviert. Schade nur, dass man sich insgesamt zu sehr auf die Errungenschaften des ersten Teils verlässt und kaum neue Wege beschreitet. Im Vergleich zur Switch-Neuauflage von The World Ends with You hat man sogar gelungene Elemente wie Touch-Funktionalität und Koop-Modus gestrichen statt sie weiter auszubauen. Wer auf bizarre Rollenspielkost à la DanganRonpa oder Persona steht, sollte sich davon aber nicht abhalten lassen. Trotz viel Vertrautem wird man noch immer sehr gut unterhalten!

Pro

spannendes Parallelwelt-Szenario
stimmungsvolle Inszenierung
kreative Zeit- und Gedankenmanipulationen
flexibles Team-Kampfsystem
motivierende Ausrüstungshatz
individuell anpassbare Herausforderungen

Kontra

gelegentliche Orientierungsprobleme
keine sichtbaren Outfitwechsel
keine durchgehende Sprachausgabe
keine Touch-Unterstützung (Switch)

Wertung

PlayStation4

Klasse Anime-Rollenspiel zwischen Persona und DanganRonpa, das sich allerdings spürbar auf den Errungenschaften des hervorragenden Vorgängers ausruht.

Switch

Klasse Anime-Rollenspiel zwischen Persona und DanganRonpa, das sich allerdings spürbar auf den Errungenschaften des hervorragenden Vorgängers ausruht.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

Gar Nicht
Leicht
Mittel
Stark
Extrem
  • Es gibt keine Käufe.
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Kommentare

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Dunning-Kruger

genau wie Bewegungssteuerung. Braucht keiner und ist Müll welcher nie richtig funktioniert. Spiele die darauf ausgelegt sind, sind IMMER schlechter als wenn sie auf eine traditionelle Steuerung ausgerichtet wären.
*laughs in Half Life: Alyx*

*laughs in Beatsaber*

*laughs in Disc-Frisbee bei Sports Champions für PS3*

*laughs in Lone Echo*

Möchtest du dir vielleicht angewöhnen nicht so zu verallgemeinern? Könnte auf andere so wirken, als wäre der eigene Tellerrand etwas hoch.


Zum Spiel: mich spricht der Stil nicht an. Für die Leute, die auf das Spiel gewartet haben aber eine gute Neuigkeit, dass es so gut geworden ist

Zuletzt bearbeitet vor 2 Monaten

vor 2 Monaten
JesusOfCool

Ähnlichkeiten zu Persona 5?
da würde ich eher ein großes fragezeichen dahinter setzen.
ähnlichkeit gibt es da mMn sehr wenig. das setting vielleicht noch am ehesten, aber auch nicht so ganz.

allerdings mag ich persona 5 und ich mag auch NEO:TWEWY, aber das sind dann doch sehr andersartige spiele.

vor 2 Monaten
Khorneblume

Das ich den ersten Teil gespielt habe ist Ewigkeiten her. Hätte dazu nie eine Fortsetzung erwartet. Ich denke das Spiel werde ich mir für die Switch gönnen.
Es gibt btw. sogar eine Demo.

vor 2 Monaten
just_Edu

Hmmm.. wenn ich da so an Bully auf der Switch denke, muss ich Dir da vehement wiedersprechen 😅
Das ist meine liebste Variante.
Ach menno, hab mich da vertippt 😅 es ist die Wii Version
Einer der Gründe, warum ich für die Switch Version so unendlich dankbar bin.
Für tWewY auf Switch bin ich dankbar.. hoffe alle Klarheiten nu beseitigt 😂

Zuletzt bearbeitet vor 2 Monaten

vor 2 Monaten
Ryan2k6 (4p Reboot ist d00f!)



Das gibts aber nicht auf der Switch.
Hab ja auch Wii Version geschrieben. Das Thema war gescheite Bewegungssteuerung, habe es allgemein aufgenommen.
Hmmm.. wenn ich da so an Bully auf der Switch denke, muss ich Dir da vehement wiedersprechen 😅
Das ist meine liebste Variante.
;)
Einer der Gründe, warum ich für die Switch Version so unendlich dankbar bin.
:Blauesauge:

vor 2 Monaten
cM0



Gibt nur das eine. Auf der PS2 einst auch als Canis Canem Edit, das Schulhof GTA bekannt.
Das gibts aber nicht auf der Switch.
Hab ja auch Wii Version geschrieben. Das Thema war gescheite Bewegungssteuerung, habe es allgemein aufgenommen.
Hmmm.. wenn ich da so an Bully auf der Switch denke, muss ich Dir da vehement wiedersprechen 😅
Das ist meine liebste Variante.
;)

vor 2 Monaten
just_Edu

Musste man beim Original überhaupt auf beide Bildschirme achten? Lief oben nicht einfach der KI-Partner völlig eigenständig durch die Gegend und prügelte auf Gegner ein?

Und die Umsetzung von Starfox mit dem zweiten Bildschirm war ja auch idiotisch. Es ist im übrigen ein Unterschied, ob ich auf zwei Bildschirme achten muss, die direkt übereinander sind, wie eben beim DS, oder sich der zweite Bildschirm in meiner Hand befindet und ich mehr Bewegungen aufbringen muss, um meinen Blick auf diesen zu lenken.
Auf dem Leichten - Normalen Schwierigkeitsgrad konnte man das schon so managen.. lassen.. aber auf Ultimate.. neee.. ohne gescheites Multitasking kriegste das True End nicht zu sehen. Einer der Gründe, warum ich für die Switch Version so unendlich dankbar bin. Im lokalen Koop ist das Game ein Klacks. Selbst auf besagtem Ultimativen.. solange man weiß, was man tut.. oh und offline spielt (Flugzeugmodus), sonst lag-ed es ein wenig.

Zuletzt bearbeitet vor 2 Monaten

vor 2 Monaten