Chronos: Before The Ashes30.11.2020, Jörg Luibl
Chronos: Before The Ashes

Im Test: Souls light mit Rätselflair

Wie muss ein Team aus Texas heißen? Richtig: Gunfire Games! Das Studio aus Austin besteht im Kern aus den Leuten, die nach der Schließung von Crytek USA weiter Spiele entwickeln wollten. Und die waren meist cool, darunter Darksiders 3 oder Remnant: From the Ashes, das sich mit seinem Shooterflair an Dark Souls orientierte. Aber kaum jemand dürfte das VR-Abenteurer Chronos von 2016 kennen. Das wurde jetzt mit einigen Ergänzungen für stationäre Systeme umgesetzt. Ob das Action-Rollenspiel Chronos: Before the Ashes (ab 19,98€ bei kaufen) überzeugen kann? Mehr dazu im Test.

Wer stirbt, der altert!

Das ist kreativ: Jedesmal, wenn mein Held stirbt, wird er ein Jahr älter! Das erkennt man an seinem Äußeren, wenn sich auf dem jugendlichen Gesicht die ersten Bartstoppeln zeigen oder Falten bilden. Zudem darf man an allen Jubiläen wie dem 20., 30., 40. Geburtstag bis ins hohe Alter von 80 Jahren jeweils aus drei Geschenken wählen. Ich habe mich z.B. zu meinem 20. für das schnellere Sammeln von Erfahrungspunkten entschieden.

Denn bei jedem Aufstieg kann ich meinen Charakter in einigen Bereichen entwickeln: Je nachdem ob ich z.B. Stärke, Beweglichkeit oder Leben erhöhe, teile ich mit bestimmten Waffen mehr Schaden aus oder stecke selbst mehr ein. Und während sich der junge Held eher für den Nahkampf eignet, sollte man im fortgeschrittenen Alter eher die arkane Kraft einsetzen, denn für Zauberei muss ich körperlich nicht so fit sein. Sehr schön ist, dass man auch als junger Mann gebückt und keuchend umher läuft, wenn man zu viel auf die Mütze bekommen hat...

Prolog zu Remnant: From the Ashes

Ihr startet mit einem vorgegebenen Charakter, der mit jedem Tod altert.
Aber worum geht es eigentlich? Chronos: Before the Ashes ist der erzählerische Prolog zu Remnant: From the Ashes. Man erkundet also dieselbe Spielwelt, die erneut unsere Moderne mit einer Fantasywelt verküpft: Irgendwas ging in den 60er Jahren so schief, dass die Zivilisation mittelalterliche Züge annahm. Gerade tippt man noch an einem alten Computer was, bevor Kobolde und Zauberer umher laufen und man sich über glimmende Steine in Gebiete teleportiert. Zwar schläft man schon im Einstieg, begleitet von deutscher Sprachausgabe, fast ein und die Story wird später alles andere als packend erzählt, aber immerhin ist man einigermaßen neugierig: Was ist geschehen?

Zu Beginn des Abenteuers fühlt man sich zudem wie in einem Dark Souls light: Man kann mit seinem Schwert leichte und schwere Hiebe austeilen, dazu mit dem Schild blocken oder im richtigen Moment kontern. Zwar sorgt das dafür, dass die goblinartigen Feinde kurz die Deckung öffnen. Aber die situative Spannung sowie Wucht ist weit entfernt vom Vorbild, das Ausweichen und Parieren wirkt etwas zäh. Trotzdem ist es lobenswert, dass im Gegensatz zu VR jetzt auch die Ausdauer eine Rolle spielt, so dass man nicht mehr endlos draufhauen kann und taktischer kämpfen muss.

Fade Kulissen, nette Rätsel

Oh, der ist aber groß! Am besten links durch das Gatter fliehen...
Während man weitere Teleportsteine und Gebiete freischaltet, erkundet man mitunter angenehm malerisch illustrierte, aber meist steril wirkende Kulissen: Was in VR vor vier Jahren zumindest stellenweise perspektivisch faszinieren konnte, wirkt auf PC, PS4 & Co eher ernüchternd bis maximal solide. Vor allem Inventar und Gegenstände sehen teilweise sehr fade aus, es gibt einige spät nachgeladene Texturen sowie unscharfe Ansichten. Das Artdesign kann hinsichtlich der Architektur sowie Statuen kein monumentales Flair verströmen, sondern wirkt wie ein nett illustrierten Jugendbuch. Immerhin gibt es einige putzige Wesen sowie cool inszenierte Situationen, wenn sich etwa ein Riese bückt, um mit der Hand nach einem zu greifen, während man durch eine Nische geflohen ist.

Man kann weder klettern noch springen, nur sprinten - es gibt also keine akrobatischen Reize, aber man erklimmt so einige Leitern oder nutzt Fahrstühle in vertikaler Erkundung. Allerdings kann man in den Arealen nicht physikalisch interagieren, ja nicht mal Kisten zerdeppern. Immerhin gibt es einige Rätsel: Mal gilt es nur Schalter zu bedienen oder Artefakte an den richtigen Stellen zu platzieren, aber manchmal muss man zuvor Gegenstände in seinem Inventar kombinieren wie in einem Adventure der 80er Jahre.

Charmante Momente, einige Verirrungen

An den Teleportsteinen erwacht ihr nach einem Tod und könnt direkt in entdeckte Welten reisen.
Das macht ebenso Laune wie etwa die Suche nach korrekten Runen, um in eine andere Spiegelwelt zu gelangen. Plötzlich ist man nur noch eine Miniaturversion seiner selbst und kann ein Bücherregal erkunden, während man gegen Aufziehmännchen kämpft. Es sind diese kleinen charmanten Momente, die letztlich für gute Unterhaltung sorgen, während die Entwicklung des Charakters oder die Aufrüstung sowie Anzahl der Waffen eher spartanisch anmuten. Wenn man die Axt findet und bis dato eher seine Beweglichkeit trainiert und das Schwert aufgerüstet hat, ist sie eher nutzlos...

Tja, welche Runen brauche ich hier?
Die Motivation leidet auch darunter, dass es keine Karte gibt: Normalerweise mag ich das, auch in Dark Souls, aber hier muss ich Gegenstände finden, kombinieren und an spezielle Orte bringen. Zwar sind die Gebiete nicht riesig, aber sie ähneln sich so sehr, dass ich des Öfteren in den leeren Fluren umher irrte, um diesen einen Raum endlich zu finden. Immerhin darf man sich, wenn man denn alles Nötige freigeschaltet hat, auf einige Bosskämpfe freuen, die etwas knackiger sind als noch unter VR, wo sie sehr schnell das Zeitliche segneten. Euch ist das Spiel zu schwer? Ihr könnt zwischen mehreren Schwierigkeitsgraden wählen, darunter auch ein sehr simpler Modus nur für die Story.

Fazit

Lust auf Dark Souls light mit Rätselflair? Dann schaut euch dieses charamante Abenteuer an, das neben Kampf sowie Erkundung auch noch einen kreativen Alterungsprozess bietet - je öfter man stirbt, desto älter wird man. Zwar ist das "nur" eine Umsetzung des VR-Vorbildes Chronos von 2016, aber Gunfire Games haben an einigen Stellen geschraubt: Darunter die besseren Rätsel sowie die Ausdauerleiste. Die Kämpfe sind so taktischer, aber wirken auf Dauer etwas fade. Zudem verliert die biedere Kulisse ohne die virtuelle Realität einiges an Faszination und leider irrt man ohne Karte etwas zu viel umher, wenn man Dinge von A nach B bringen muss. Dafür gibt es einige coole Situationen in einer Fantasywelt, die mit ihrer Mischung aus Moderne und Mittelalter zumindest eigene Akzente setzen kann. Auch wenn die Story für sechs bis acht Stunden eher vor sich hin plätschert und Remnant: From the Ashes das bessere Action-Rollenspiel ist: Unterm Strich ist das noch gute Unterhaltung!

Pro

Dark Souls light
kreatives und sichtbares Alterungsprinzip
Charakter entwickeln
taktisches Kampfsystem
Rätselflair mit kombinierbaren Items
einige charmante Wesen und Situationen
mehrere Schwierigkeitsgrade
deutsche Texte und Sprache

Kontra

fade Kulissen
langweiliger Einstieg
Konter & Co ohne Wucht
einiges Umherirren von A nach B, keine Karte
nur ein vorgegebener Charakter

Wertung

PC

Lust auf Dark Souls light mit Rätselflair? Dann schaut euch dieses kleine Abenteuer an, das neben Kampf sowie Erkundung auch noch einen kreativen Alterungsprozess bietet.

XboxOne

Lust auf Dark Souls light mit Rätselflair? Dann schaut euch dieses kleine Abenteuer an, das neben Kampf sowie Erkundung auch noch einen kreativen Alterungsprozess bietet.

PlayStation4

Lust auf Dark Souls light mit Rätselflair? Dann schaut euch dieses kleine Abenteuer an, das neben Kampf sowie Erkundung auch noch einen kreativen Alterungsprozess bietet.

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Kommentare

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Jay Karraway

Ich hatte das Spiel auf dem Schirm, weil ich Darksiders III super fand und deshalb vor ein paar Monaten geschaut habe was Gunfire Games denn so machen. Remnant ist nicht mein Geschmack aber bei Chronos war ich interessiert, weil es Nahkampf bietet. Der scheint aber weniger spannend zu sein als beim meiner Meinung nach sehr guten D3.
"Unterm Strich ist das noch gute Unterhaltung!" - Spätestens bei diesem letzten Satz hab ich mich entschlossen es auszulassen; für gerade so gute Unterhaltung gibt es zu viele Spiele.


Wie oft deckt sich denn deine Meinung mit der eines Tests?

Ich frage mich jetzt gerade wieder, wie 4P Metro:Exodus so schlecht bewerten konnten, ist es doch einer meiner absoluten Favoriten :D
Schwer zu sagen, da ich deutlich mehr Tests lese als Spiele spiele. In diesem Fall sind die beschriebenen Punkte zu Weltdesign und Kampfmechanik ausschlaggebend für mein erloschenes Interesse.
Mir fallen spontan zwei Spiele ein mit denen ich sehr viel Spaß hatte, die deutlich schlechter bewertet wurden als Chronos; Absolver und A Hat in Time. Bei den beiden Tests war ich allerdings auch abseits der Wertung mit einigen genannten Punkten im Text nicht einverstanden.

vor einem Jahr
kagrra83

Ich hatte das Spiel auf dem Schirm, weil ich Darksiders III super fand und deshalb vor ein paar Monaten geschaut habe was Gunfire Games denn so machen. Remnant ist nicht mein Geschmack aber bei Chronos war ich interessiert, weil es Nahkampf bietet. Der scheint aber weniger spannend zu sein als beim meiner Meinung nach sehr guten D3.
"Unterm Strich ist das noch gute Unterhaltung!" - Spätestens bei diesem letzten Satz hab ich mich entschlossen es auszulassen; für gerade so gute Unterhaltung gibt es zu viele Spiele.


Wie oft deckt sich denn deine Meinung mit der eines Tests?

Ich frage mich jetzt gerade wieder, wie 4P Metro:Exodus so schlecht bewerten konnten, ist es doch einer meiner absoluten Favoriten :D

vor einem Jahr