
Im Test: Kreative Content-Explosion in VR?
Think inside the box!
Bevor man selbst kreativ wird, bietet die Erfahrung "Inside the Box" von Media Molecule einen guten Einstiegspunkt mit schönen Beispielen. Hat man sich erst einmal in den kubistischen Komplex begeben, entfalten sich auf Knopfdruck animierte Kunstwerke, darunter ein gar nicht so still wirkendes Stillleben eines Frühstücks oder ein riesiger Mech, dessen Größe beim Umschauen in VR eindrucksvoll zur Geltung kommt. Wirklich abendfüllend oder grafisch aufwändig sind die durchweg blockig designten Entwickler-Levels nicht, aber gelungen sind sie trotzdem. Besonders charmant ist es, putzig animierte Blöcke im Lemmings-Stil durch ein Labyrinth zu begleiten, indem man mit mechanischen Schaltern zahlreiche Wippen und Aufzüge aktiviert. Auch andere Entwicklerkreationen spielen schön mit Ideen und cleveren VR-Mechaniken, darunter ein Plattformer mit unterschiedlich schweren Figuren oder ein Highscore-Shooter mit teilbaren Zielen im Matrjoschka-Stil.
Noch cooler ist allerdings, wie viele alte (und neue!) Nutzerkreationen bereits an VR angepasst wurden. Bei einem Ausflug in den Browser ergeben sich lange Ausflüge in abwechslungsreiche VR-Nutzerspielchen. Vor allem Pfennigfuchser (die Kreationen sind schließlich kostenlos) oder Fans von Plattformern kommen hier auf ihre Kosten! Highlights wie „Shifting Islands “ oder „Super Great Job, Human! “ wirken bereits erfreulich poliert. Letzteres wurde stark von Astro Bot Rescue Mission inspiriert: In der Welt voller Disketten und ausklappbarer Mechaniken hüpft man dort durch eine idyllische Kulisse. Vor allem dreidimensionale Knobelspiele profitieren stark von der räumlichen Perspektive. Dazu gehört auf jeden Fall „Cubric “, in dem man immer wieder große Block-Welten dreht, um auf ihren Oberflächen einen 2D-Plattformer mit verbundenen Pfaden zu spielen. Natürlich wurden Rennspiele und viele andere Genres ebenfalls an VR angepasst oder sogar dafür entwickelt. Erstaunlich auch, wie anders plötzlich die Größenverhältnisse in den eigenen Levels wirken: Eine große Frosch-Statue auf einer hochskalierten Seerose im Hintergrund wirkt unterm Headset plötzlich gigantisch – fast wie ein Fernsehturm! Sogar gewöhnliche, in den Hintergrund geklatschte Tempel-Landschaften laden auf einmal viel stärker ein, sie persönlich zu erkunden!
Massenhaft Möglichkeiten und Optionen
Der schöpferische Prozess in VR besitzt seine Vor- und Nachteile: Die grundsätzlichen Möglichkeiten sind ähnlich großartig wie auf dem TV! Hier lassen sich eine Vielzahl an Spielmechaniken, Multiplayer-Kämpfen, räumlichen Kunstwerken, Musik und mehr umsetzen – sogar mit komplexen Kooperationen und geborgten Gegenständen anderer Spieler (mehr dazu im Test des Hauptspiels). Ein Nachteil ist nach wie vor, dass man für halbwegs ordentliche Ergebnisse deutlich mehr Stunden investieren muss als etwa in Crayta, LittleBigPlanet 3 oder Super Mario Maker 2.
Wenn nur das veraltete Tracking nicht wäre...
Es gibt allerdings einige Werkzeuge, mit denen man erfreulich viel aus den angestaubten Möglichkeiten von PSVR herausholen kann. Das macht sich zuallererst im ausfahrbaren „Laserstrahl“ am kleinen Werkzeug-Wichtel des Spielers bemerkbar. Mit ihm erreicht man im Editor problemlos entfernte Dinge, was sich auch spielmechanisch nutzen lässt. Zu den nützlichen Neuheiten gehört u.a. ein Blick-Sensor, mit dem man beinahe schon wie ein Jedi Dinge durch bloßen Anblick manipuliert (natürlich per klassischer Ausrichtung des Headsets und nicht per Augentracking). Das wird z.B. in Such- und Knobelspielen nützlich, oder auch in Shootern mit Sichtsteuerung. Zusätzlich gibt es eine nützliche (Waffen-) Handvorlage (mittels „Hand/Imp Tracker“), eine Third-Person-Puppe, Tricks mit der Ego-Sicht und HUDs für einen First-Person-Shooter (mit dem „Head/Camera Tracker“), Tutorial-Videos für räumliche Audio-Hinweise in Adventures und vieles mehr!
Fazit
Mein VR-Ausflug in Dreams hat mir erneut vor Augen geführt, was ich an der TV-Variante des Spiele-Baukastens so mag - und was mich trotzdem beim Basteln stört. In der malerischen Welt wirkt alles um Welten professioneller, stilsicherer und künstlerisch anspruchsvoller als z.B. in Crayta für Stadia! Man benötigt aber auch spürbar mehr Zeit, um sich einzuarbeiten. Das Update bringt einige tolle, clever durchdachte Werkzeuge, mit denen kreative Tüftler den PSVR-Katalog um massenhaft tolle Spielideen erweitern! Die spürbar veraltete Technik des Trackings und der Move-Controller können sie leider nicht umgehen. Es werden aber immerhin sinnvolle Tricks angeboten, um das Beste draus zu machen. Beim Basteln und Spielen bekommt man hin und wieder wortwörtlich die Grenzen des Systems zu spüren, zumal auch Performance-Probleme manchmal die Schöpfungen in die Knie zwingen. Die Möglichkeiten für räumliche Kunstwerke, VR-Spielchen und angepasste Levels sind trotzdem gigantisch – und mit passenden Sortier- und Komfort-Optionen versehen. Wer in VR kreativ werden oder in Massen von Spielideen der Community abtauchen möchte, ist hier an der richtigen Adresse!
Wertung
VirtualReality
Unheimlich mächtiges VR-Update des Baukastens für Spiele, Animationen und traumhaft malerische Kunstwerke - der kreative Spaß wird allerdings ein wenig vom veralteten PSVR-Tracking und dem hohen Zeitaufwand ausgebremst.
PlayStationVR
Unheimlich mächtiges VR-Update des Baukastens für Spiele, Animationen und traumhaft malerische Kunstwerke - der kreative Spaß wird allerdings ein wenig vom veralteten PSVR-Tracking und dem hohen Zeitaufwand ausgebremst.
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