F1 202010.07.2020, Michael Krosta

Im Test: Fahrer, Manager & Teambesitzer

Während der reale Formel-Eins-Zirkus aufgrund von Corona erst kürzlich mit einer gehörigen Verspätung und Geisterrennen in die diesjährige Saison gestartet ist, fährt man bei F1 2020 (ab 24,92€ bei kaufen) in einer Parallelwelt, in der das gefährliche Virus nie existiert hat. Wir haben für den Test folglich den regulären Kalender inklusive der attraktiven Neuzugänge absolviert und versucht, im neuen Spielmodus My Team mit einem eigenen Rennteam die Königsklasse aufzumischen.

Bekannte Stärken…

Selbstverständlich setzt Codemasters auch bei F1 2020 auf die bewährten Stärken, mit denen man die Serie in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert und erweitert hat. Dank der offiziellen Lizenz erhält man in erster Linie Zugriff auf aktuelle Teams, Fahrer sowie Strecken der Formel Eins, doch darf man auch wieder in den Boliden der Nachwuchsserie Formel 2 Platz nehmen. Genau wie bei der Premiere im letzten Jahr stehen aktuell allerdings nur die Daten aus der vorherigen Saison bereit. Codemasters hat aber bereits versprochen, wie bei F1 2019 erneut ein kostenloses Update für die Aktualisierung der F2-Serie nachzureichen.

Auch bei den Menüs, Struktur und Anpassung bleibt viel beim Alten: Rennwochenenden lassen sich genauso flexibel anpassen wie Fahrhilfen, Rennkalender, KI-Stufen und das bewährte Setup, das neben einer schnellen Auswahl auch die üblichen Detaileinstellungen erlaubt. Dazu gibt es erneut das dynamische Wetter mit spektakulären Regengüssen, bei denen viel Feingefühl hinter dem Steuer oder die ausgiebige Nutzung der Rückspulfunktion gefragt ist. Neben den offiziellen Startzeiten darf man außerdem wieder manuell eingreifen und Rennen z.B. in die Morgen- oder Abendstunden verlegen – Zeitraffer inklusive. Selbst Nachtrennen im gleißenden Flutlicht sind auf manchen Pisten wie Monaco möglich. Dabei fühlt sich die sehr gute Fahrphysik umgehend vertraut an, obwohl die Flitzer sogar einen Tick direkter auf die Steuerungseingaben ansprechen. Der neue Überhol-Knopf erleichtert zudem das müßige ERS-Management der Vorgänger, während Gelegenheitsfahrer in Einzelspielermodi ab sofort sogar einen separaten Modus in Anspruch nehmen dürfen, der die Zugänglichkeit spürbar erhöht und u.a. viele Aufgaben wie die Benzineinteilung oder die DRS-Aktivierung auf Wunsch automatisiert.        

In den Trainings-Aufgaben befasst man sich u.a. mit dem optimalen Benzinverbrauch.

Dazu gesellen sich weitere Funktionen, die man im Lauf der Jahre kennen und lieben gelernt hat: Dazu gehören u.a. der Boxenfunk mit optionaler Sprachsteuerung, das Ausarbeiten einer Rennstrategie, die taktischen Anpassungen an der Motorleistung sowie Komfortfunktionen wie das Zwischenspeichern oder automatisch generierte Highlight-Videos. Schön auch, dass man das Sichtfeld auf allen Systemen anpassen und optionale Telemetrie-Hardware mit dem Spiel genutzt werden darf. Kurz gesagt: Codemasters hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter gesteigert und die Reihe steht auf einem enorm festen Fundament, von dem auch F1 2020 profitiert.

...und alte Schwächen

Die unrealistische Anfahrt zu den Boxenstopps und merkwürdige Strategien zählen immer noch zu den großen Schwachpunkten.

Gleichzeitig haben manche Kritikpunkte der Vergangenheit weiterhin Bestand: Die KI agiert trotz ihrer guten Kampflinie teilweise etwas zu übermotiviert, lässt sich gleichzeitig beim Start oder im Regen zu leicht übertölpeln, weil es sich staut. Das Straf- und Flaggensystem ist ebenfalls noch nicht ganz ausgereift und die automatisierte Anfahrt in die Boxengasse hat mit ihren abstrusen Brems- sowie Lenk-Manövern absolut nichts mit der Realität zu tun. Und auch bei der Strategie gibt es Defizite: So beordert das Team z.B. beide Fahrer gleichzeitig zum Reifenwechsel an die Box. Auf der Xbox One findet man im Gegensatz zu den anderen Plattformen außerdem schon wieder keine LAN-Unterstützung und auch VR ist bei den F1-Spielen ebenso kein Thema wie das zunehmend populärer CrossPlay. Traurig stimmt zudem die magere sowie fragwürdige Auswahl an Audionamen und das Fehlen eines Fahrer-Editors, der diesem Namen gerecht wird. So schön es auch ist, sich neben modernen F1-Boliden in historischen Rennwagen hinters Steuer klemmen zu dürfen, so halbherzig fällt erneut deren Implementierung aus. Abgesehen von ein paar Zeitfahr- und Überholherausforderungen oder Einzelrennen gibt es weder reale Szenarien von damals inklusive Nachtanken noch klassische Strecken. In Rennen muss man sich außerdem entweder auf ein Classic-Modell beschränken oder mit einem bunt gemischten Fahrzeugfeld verschiedener Epochen leben. Schließlich sind auch die Medien-Interviews immer noch nicht das Gelbe vom Ei, wirken künstlich aufgesetzt, repetitiv und lassen sich zu leicht durchschauen, um etwa den gewünschten Abteilungen einen Motivations-Boost zu verpassen.

Mein eigenes Formel-Eins-Team

Neben altbekannten Spielmodi vom Einzelrennen über Zeitfahren bis hin zur klassischen Meisterschaft und der bewährten Fahrer-Karriere steht in diesem Jahr My Team als große Neuerung im Fokus. Dabei erlebt man zunächst ein kleines Déjà-vu, denn der neue Modus greift viele Elemente der normalen Karriere auf. Dazu zählen u.a. die Testläufe während des Trainings, um den Streckenverlauf zu lernen und Faktoren wie Benzinverbrauch oder Reifenverschleiß zu optimieren. Auch die Weiterentwicklung von Komponenten in den Bereichen Chassis, Antrieb, Aerodynamik und Strapazierfähigkeit sowie deren Abnutzung wird quasi 1:1 übernommen. Neu hinzugekommen ist die Option, mit einem erhöhten Fehlschlag-Risiko die Herstellung zu beschleunigen. Trotz vieler Parallelen geht My Team dennoch weit über die bisherige Karriere hinaus und verlangt dem Spieler als Besitzer eines eigenen F1-Rennstalls zusätzlich noch Management-Aufgaben ab. Dazu zählt z.B. die Planung der freien Tage zwischen den Rennen, die man u.a. für PR-Aktionen, Warenverkauf, Trainingslager oder den Fokus auf bestimmte Entwicklungsabteilungen möglichst effektiv nutzen sollte. Je nach Aktivität steigert man dabei Ansehen, Einnahmen oder die Ausbeute an Ressourcenpunkten.

Neben der Erstellung eigener Logos und Lackierungen muss man sich zu Beginn außerdem für einen der vier offiziellen Motorenlieferanten entscheiden und einen Teamkollegen einstellen. Bevor man sich irgendwann Top-Fahrer wie Lewis Hamilton mit Gehältern von mehreren Millionen Dollar leisten kann, muss man zunächst noch kleine Brötchen backen und mit Nachwuchs-Piloten Vorlieb nehmen, deren Fähigkeiten man aber durch diverse Aktionen wie ein angesetztes Reaktionstraining oder den Ausbau der eigenen Fakultäten verbessern kann. Tatsächlich lässt sich die zunächst noch rudimentäre Schrauber-Garage mit entsprechenden Investitionen zu einem echten Hightech-Unternehmen mit optimierten Arbeitsabläufen und Top-Ingenieuren verwandeln. Neben der Entwicklungsabteilung zählen auch der Ausbau von Personal und Marketing in den Verantwortungsbereich des Teambesitzers.     

Ohne Moos nix los

Beim eigenen Team gehört auch die Finanzplanung zu den Aufgaben.

Doch wie im echten Leben verlangt das alles Geld. Sehr viel Geld. Für das wirtschaftliche Überleben des eigenen Rennteams mit seinen hohen wöchentlichen Ausgaben sind daher finanzkräftige Sponsoren essenziell. Die lassen die stattlichen Summen aber nur dann rüberwachsen, wenn man die im Vertrag vereinbarten Ziele erfüllt. Daher sollte man sich ganz genau überlegen, auf welche Deals man sich einlässt und wessen Logos man auf Anzügen und Rennwagen anbringt. Im Gegensatz zum kommenden DiRT 5 gibt es hier im Rahmen von My Team aber leider nur fiktive Sponsoren, um den realen Vorbildern keine Bauchschmerzen zu bereiten. Erfreulich ist, dass Codemasters gar nicht erst auf die Idee gekommen ist, den Kontostand innerhalb der Karriere mit Hilfe von Mikrotransaktionen aufwerten zu können.

Podium Pass und die Auswirkungen

Tja, leider zu früh gefreut: Hatte ich im ursprünglichen Text noch Codemasters dafür gelobt, im Gegensatz zum Vorgänger abgesehen von Editionen-Upgrades auf Mikrotransaktionen für kosmetische Zusatzinhalte verzichtet zu haben, folgte am Releasetag mit der Aktivierung des Podium Pass und Shops die volle Breitseite, nachdem unsere Testarbeit bereits abgeschlossen war. Tatsächlich gab es in unserer Fassung zwar schon Hinweise auf beides, doch keine konkreten Angaben, was genau sich dahinter verbirgt. Auch Codemasters sah keine Veranlassung, uns Tester im Vorfeld über die Pläne zu informieren, obwohl den Mustern bereits ein Dokument mit Hinweisen zum Spiel beigelegt wurde. Fies: Bei den Charakter-Anpassungen fehlten im Gegensatz zu F1 2019 zudem sämtliche Angaben zu geplanten Premium-Inhalten in Form eines zusätzlichen Reiters im Menü, den man mittlerweile ebenfalls wieder sieht.

Wer reales Geld für Schwachsinn wie Posen und Lackierungen ausgeben möchte, wird im Item Shop fündig.
Jetzt sind wir schlauer: Beim Podium Pass hat man die Möglichkeit, durch das Meistern täglicher und wöchentlicher Herausforderungen weitere kosmetische Inhalte freizuschalten. Dazu gehören etwa neue Lackierungen für Autos, dämliche Posen und Podiumsgesten sowie zusätzliche Gegenstände wie Helme, Handschuhe oder Rennanzüge. Und wie es heutzutage sein muss, wird dieser überflüssige Quatsch auch noch von „außergewöhnlich“ über „selten“ und „episch“ bis „legendär“ eingestuft. Zugriff auf die jeweiligen Extras erhält man jedoch erst, wenn man den entsprechenden Rang beim Podium Pass erreicht. Innerhalb einer Season, die etwa 50 Tage andauert, kann man durch die Erfüllung der Aufgaben einen Maximal-Rang von 30 erreichen, was mitunter aber mit enorm viel Grind verbunden sein könnte. Wer es wirklich nur darauf anlegt, manche der dümmlichen Ziele für noch dümmlichere Belohnungen zu erfüllen, senkt einfach den Schwierigkeitsgrad und hat dadurch z.B. keine Probleme mehr, die schnellsten Runden auf vorgegebenen Strecken in den Asphalt zu brennen.    

Portemonnaie öffne dich!

Während man einfache Belohnungen durch das erfolgreiche Absolvieren der Herausforderungen freischalten kann, lässt sich die Ausbeute mit dem VIP-Bonus erhöhen, für den man wohl bei jeder weiteren Season erneut zur Kasse gebeten wird. Gezahlt wird dabei nicht mit dem Guthaben aus der Karriere, sondern so genannten Pitcoins, die man gegen echtes Geld kaufen muss. Dabei reichen die Pakete von 2000 Pitcoins zum Preis von 1,99 Euro bis zu einer kleinen Schatztruhe mit 50.000 Pitcoins, für die man 34,99 Euro zahlen muss. Für den VIP-Zugang sind 9000 Pitcoins (ca. 6,50 Euro) fällig, doch muss man in diesem Fall immer noch all die Aufgaben erfüllen, um die kosmetischen VIP-Inhalte überhaupt zu erhalten. Allerdings fällt auf, dass man mit dem VIP-Status deutlich mehr Erfahrungspunkte erhält und dadurch entsprechend schneller in den Rängen aufsteigt. Entsprechend lässt sich mit dem VIP-Status auch die Spielzeit verkürzen, um Gegenstände zu erhalten.

Noch einfacher (und teurer) kann man es sich machen, indem man direkt den Item-Shop besucht, wo man bei ausgewählten Artikeln des Tages und Artikeln der Woche ohne nervigen Grind direkt gegen die Zahlung von Pitcoins (und damit echtem Geld) zuschlagen kann. Dabei spart man zwar enorm viel Zeit, aber ganz sicher kein Geld. Interessant in diesem Zusammenhang: Auf PS4 und PC gibt es zumindest für Käufer der Schumacher Deluxe Edition ein Startguthaben von 15.000 Pitcoins. Auf der Xbox One, auf der wir für den Test ebenfalls mit dieser Edition ausgestattet wurden, entfiel dieser Bonus. Tatsächlich gibt es auch eine Möglichkeit, an Pitcoins zu gelangen, ohne die Kreditkarte zücken zu müssen: Erreicht man während der Season einen bestimmten Rang beim Podium Pass, winken als Belohnung auch mal 2500 Pitcons – in Kombination mit VIP sogar 7500 Pitcoins.

Abwertung ja oder nein?

Die Pitcoin-Pakete kosten zwischen knapp zwei und 35 Euro. Finger weg von diesem Mist!
Mit dem Podium Pass, Pitcoins-Paketen und Item Shop geht Codemasters bei F1 2020 nochmal über das hinaus, was man beim Vorgänger hinsichtlich Mikrotransaktionen getan hat. Ärgerlich zudem, dass die Kommunikation seitens Codemasters zu diesem Thema sehr zu wünschen übrig ließ und wir in unserer Testversion noch keine Einblicke in die Pläne bekommen konnten. Jetzt, nachdem ich mich etwas intensiver mit der Mechanik befasst habe, bin ich zwar hinsichtlich der Auswirkungen etwas entspannter, aber immer noch ziemlich angewidert. Denn obwohl Podium Pass und Mikrotransaktionen die Karriere und andere Spielmodi nicht beeinflussen, stellt schon alleine die Existenz von Pitcoins, Shop & Co einen Makel dar, zumal man durch die Investition von Echtgeld auch die Zeit zum Freischalten der Extras mitunter massiv verkürzen kann. Will man dem Podium Pass etwas Positives abgewinnen, könnte man höchstens  die potenzielle Extra-Motivation durch die Herausforderungen erwähnen, bei denen auch das Fahren mit verschiedenen Teams und Fahrern gefördert wird. Das alles hätte man aber auch problemlos in der Standard-Variante ohne die verführerische Einbindung der Pitcoins umsetzen können. Selbstverständlich kann man den Podium Pass einfach getrost ignorieren und die Gewinne beschränken sich wohlgemerkt ausschließlich auf kosmetischen Schnickschnack oder weitere Pitcoins, was ich beides als virtuellen Müll empfinde. Trotzdem stößt die Implementierung der Mikrotransaktionen in Kombination mit der miserablen Kommunikation so sauer auf, dass wir uns dazu entschlossen haben, F1 2020 den Award wieder abzuerkennen und die Wertung entsprechend anzupassen. Würde Codemasters jetzt noch den Podium Pass ständig in den Vordergrund rücken und zum Kauf dieser bescheuerten Coins anregen oder sogar die Karriere damit verseuchen, hätte es einen noch deutlicheren Abzug gegeben. 

An diese Stelle kann ich immer wieder nur an die Spieler appellieren: Ignoriert diesen ganzen Kosmetik-Schwachsinn, bis es sich für die Hersteller irgendwann nicht mehr lohnt, diesen Mist überhaupt in ihre (Vollpreis-)Spiele einzubauen! Oder boykottiert den Kauf des Spiels trotz dessen unbestreitbarer Qualitäten, bis diesbezüglich endlich wieder ein Umdenken bei den Verantwortlichen stattfindet. Es ist mir ohnehin ein Rätsel, wie man bereit sein kann, für diesen überflüssigen Kram auch nur einen Cent von seinem echten Geld zu bezahlen. Aber es soll ja auch Leute geben, die sich Jahr für Jahr wieder auf FIFA Ultimate einlassen und ihre hart verdienten Moneten fleißig mit dem Erwerb von Spielerkarten verbrennen – verrückte Welt, die sich angesichts des Verhaltens vieler Spieler wohl leider nicht ändern wird!

Gegenseitige Befruchtung

Die Weiterentwicklung von Komponenten ist sowohl bei der Fahrer-Karriere als auch My Team von großer Bedeutung.

Jetzt aber wieder zurück zu angenehmeren Dingen und der normalen Fahrer-Karriere, die  von einigen neuen Elementen aus My Team profitiert: Neben der optionalen Risiko-Entwicklung von Komponenten findet man z.B. auch die permanenten Fahrer-Boni in beiden Modi. Investiert man in Social Media steigert man dabei sein Ansehen, während das Medien-Coaching mehr Antwortmöglichkeiten bei den durchschaubaren und leider immer noch mäßigen Interviews erhöht. Mit Finanzspritzen in die Leistungsanalyse vermindert man dagegen die Motorenabnutzung oder steigert mit Entwicklungsfeedback die Ausschüttung von Ressourcenpunkten. Mit der Einführung einer echten Währung bringt man außerdem die Vertragsverhandlungen innerhalb der Fahrer-Karriere etwas näher an die Realität, obwohl man im Spiel sicher nicht per Telefon vom eigenen Team abserviert wird, wie es Sebastian Vettel gerade bei Ferrari widerfahren ist. Ansonsten bleibt auch hier viel beim Alten – mit einer Ausnahme: Der etwas holprige Story-Ansatz des Vorgängers wurde komplett gestrichen. Dennoch darf man seine Karriere weiterhin in der Formel 2 starten und entweder kurz in die Nachwuchs-Serie hinein schnuppern oder neuerdings sogar eine komplette Saison absolvieren. Wer möchte, kann aber sofort in der Königsklasse beim Team seiner Wahl durchstarten und sich sogar seinen Teamkollegen aussuchen. Genau wie bei My Team bekommt man auch bei der Karriere die Möglichkeit, die Länge der Saison und damit auch den Rennkalender seinen Wünschen anzupassen.

Corona-Saison?

Das geht selbstverständlich auch außerhalb der Karriere, wo man sich unter dem Menüpunkt „Grand Prix“ eine eigene Meisterschaft zusammenstellen und Austragungsorte sogar mehrfach im Kalender platzieren kann. Damit stand der Nachbildung der „Corona-Saison“ im Spiel eigentlich nichts mehr entgegen – bis sich die FIA in der letzten Woche dann doch noch dazu entschieden hat, auf Strecken auszuweichen, die nicht im Spiel enthalten sind. Im Gegensatz zur realen Krisen-Saison gibt es im Spiel nicht nur Zuschauer auf den Tribünen, sondern alle ursprünglich geplanten Schauplätze, inklusive der beiden Neuzugänge Zandvoort und dem Stadtkurs von Hanoi, wo die Rennen aufgrund der Pandemie in der Realität gestrichen wurden. Was im Spiel dagegen (noch) fehlt, ist die spontane Verwandlung der Silberpfeile in „Schwarzpfeile“, um die Bewegung Black Lives Matter zu unterstützen. Codemasters dürfte aber schon bald ein Update für die alternative Lackierung nachreichen.  

Lokale Splitscreen-Duelle

Viele Nutzer dürfte es freuen, dass man endlich auch zusammen mit zwei Spielern am geteilten Bildschirm gegeneinander fahren darf. Zusätzlich bleiben noch die LAN-Option auf PC und PS4 sowie berwiegend lagfreie Online-Rennen für bis zu 20 Teilnehmer auf allen Plattformen, inklusive eigener Lobbys, Ligen, Ranglisten und eSport-Einbindung. Gerade dort dürfte auch der neue virtuelle Rückspiegel großen Anklang finden: Zwar verdeckt er in den Trainingsläufen wichtige Anzeigen, sorgt in den Rennen aber für eine verbesserte Übersicht und stellt damit eine hervorragende Ergänzung zu den Positionspfeilen dar, um unbeabsichtige Kollisionen zu vermeiden.  

Starke Technik

Technisch behält F1 2020 das hohe Niveau der Reihe bei und überzeugt mit ansprechenden Kulissen und einer hohen Bildrate, wobei das großartige Geschwindigkeitsgefühl vornehmlich in den Innenansichten wie Cockpit oder TV-Perspektive zur Geltung kommt. Mit einem potenten System verbucht der PC die üblichen Vorteile bei Grafikdetails und Darstellung, doch auch auf PS4 Pro und Xbox One X konnten wir selbst mitten in einem Fahrzeug-Pulk sowie Wetterkapriolen keine Ruckler bemerken und die Bildrate dürfte sich im Rahmen von 60fps bewegen. Dazu gesellt sich eine schicke Beleuchtung, die vor allem bei den Nachtrennen zur Geltung kommt – und das besonders mit HDR.

Endlich darf man auch in den F1-Spielen von Codemasters am geteilten Bildschirm gegeneinander fahren.

Ärgerlich waren im Rahmen des Tests die vielen Fehler beim Kommentar: Schon bei der Einführung von My Team wurde immer wieder der gleiche Tutorial-Satz abgespielt, doch auch bei Ergebnisbildschirmen wurden die Sprecher häufig mitten im Satz abgewürgt. Zumindest auf der Xbox One X gab es auch vereinzelte Probleme beim Aufsetzen von Einzelrennen, wo ich z.B. beim Laden der neuen Strecke Hanoi mehrfach zum Dashboard befördert wurde und es folglich zum Absturz kam.

Fazit

Im Test von F1 2019 hatte ich Codemasters noch dazu geraten, sich für den Nachfolger nicht nur auf die bewährten Stärken zu verlassen, sondern sich auch etwas Neues einfallen zu lassen. Diesem Wunsch ist man bei F1 2020 mit dem neuen Modus My Team nachgekommen. Zwar werden dort viele Elemente der motivierenden Fahrer-Karriere übernommen, aber der Management-Aspekt und der Aufbau eines eigenen F1-Teams ist eine zusätzliche Facette, die viele Spieler ansprechen dürfte. Ich gehöre nicht unbedingt dazu, weil ich mich lieber aufs Fahren konzentriere anstatt mich mit Finanzen und Organisation zu beschäftigen. Daher bin ich Codemasters extrem dankbar, dass man mir im Gegensatz zu Milestone & Co die Wahl lässt und die klassische Karriere beibehalten hat. Ziemlich angepisst bin ich dagegen von der Einführung der Mikrotransaktionen und der käuflichen Ingame-Währung Pitcoins, die nur deshalb nicht zu einer noch größeren Abwertung geführt haben, weil es sich nur um ohnehin überflüssigen Kosmetik-Kram handelt und einem dieser Quatsch nicht ständig aufgdrängt wird. Abgesehen vom neuen Modus, dem aktuellen Lizenzpaket und der Möglichkeit zu Rennen am geteilten Bildschirm gibt es vor allem sinnvolle Detailverbesserungen wie den virtuellen Rückspiegel oder weitere Unterstützung für Gelegenheitsfahrer. Auf der anderen Seite sind aber auch kleine Schwächen bei KI, Strafsystem, Kommentaren & Co erhalten geblieben. Weil es in diesem Jahr so gut geklappt hat, hier meine Wünsche für F1 2021: Neben plattformübegreifenden Online-Rennen und dem zukünftigen Komplett-Verzicht auf Mikrotransaktionen steht eine VR-Unterstützung für mich ganz oben auf der Liste!

Pro

NEU: Spielmodus My Team mit zusätzlichen Management-Aufgaben
NEU: optionaler virtueller Innenspiegel
NEU: komplette F1-Saison im Rahmen der Karriere spielbar
NEU: separater Modus für Gelegenheitsfahrer mit vielen nützlichen Hilfen
NEU: Risiko-Option bei Teile-Entwicklung
NEU: Lokale Mehrspieler-Rennen am geteilten Bildschirm möglich
NEU: Keine Premium-Inhalte gegen Mikrotransaktionen mehr
offizielle und aktuelle F1-Lizenz
hervorragendes Fahrgefühl und überzeugende Physik
umfangreiche und gut inszenierte Karriere
motivierende Weiterentwicklung von zahlreichen Fahrzeug-Komponenten
kämpferische KI-Piloten mit guter Verteidigungslinie...
schöne Auswahl an historischen F1-Boliden
variierendes FIA-Reglement in Karriere
verkürzte Layouts auf ausgewählten Pisten
Medien-Interviews wirken sich auf Abteilungen aus
detailliertere KI-Abstufungen von 0 bis 110
zahlreiche Hilfen (ABS, Bremsassistent, Traktionskontrolle etc.)
überwiegend flüssige Bildrate und gutes Geschwindigkeitsgefühl
ansprechende Kulisse
umfangreiche Setup-Optionen (schnell & detailliert)
spürbare Abnutzung der Komponenten bis hin zu mechanischen Defekten
dynamisches sowie individuell anpassbares Wettersystem
Benzinverbrauch und ERS als taktische Komponenten
Reifenverschleiß und Reifenmanagement
manuelles ERS-Management (optional)
(optionale) Rückspulfunktion
(optionales) Schadensmodell in drei Stufen
(optionale) Einführungsrunde
manueller Start mit Kupplung und Timing (optional)
manuelle Boxeneinfahrt (Bremspunkt, Begrenzer & Kupplung-Start) (optional)
komplett anpassbare Rennwochenenden mit zahlreichen Optionen
interaktiver Boxenfunk (optional per Sprachsteuerung!)
Live-Monitore und Zeit-Vorspulen in der Garage
motivierende Rivalitäten mit anderen Fahrern
eigener Rennkalender möglich
dynamische Bestenliste / Geisterwagen beim Zeitfahren
übersichtliche TV- und immersive Cockpitansicht
HALO-Mittelstrebe lässt sich optional ausblenden
sehr gute Vibrationseffekte (PS4) und Impulse-Trigger (One)
Zugriff auf Spieler-Setups beim Zeitfahren
Zwischenspeichern jederzeit erlaubt
virtuelles und reales Safety-Car enthalten
schöne Auswahl an freischaltbaren Mini-Meisterschaften
Siegerehrungen & Co mit komplett modellierten Fahrern
Replays von kompletten Rennen und Highlight-Auswahl
verbesserte Vertragsverhandlungen mit eigenen Konditionen
überzeugendes Force Feedback
Blickfeld und Kameras lassen sich im Detail anpassen (sogar auf Konsolen!)
optionaler Boxenfunk via Controller-Lautsprecher (PS4)
wöchentliche Online-Herausforderungen
Online-Rennen (Matchmaking, private Lobbys, eigene Ligen)
Einstufungssystem für Online-Fahrer
LAN-Unterstützung (nur PC und PS4)
optionale Leistungs-Egalität der Fahrzeuge im Mehrspielermodus
optionales Eye-Tracking (PC)
Showroom mit Infotexten und neuerdings auch Audiokommentar zu Fahrzeugen und Teams
individuelle Anpassungen an separaten Online-Wagen und Piloten
Integration der Formel 2 (Saison 2019)
ordentlicher Netzcode
ansehnliches Beleuchtungssystem bei Nachtrennen

Kontra

Strafsystem mitunter inkonsequent (Abkürzungen, Kollisionen)
mitunter sprunghafte Wechsel der Flaggenanzeigen
HALO Cockpitschutz beeinträchtigt Sicht (Mittelstrebe aber optional ausblendbar)
Profisaison-Modus wirkt überflüssig
Boxenfunk und Kommentare mit kleinen Aussetzern
KI wirkt stellenweise etwas übermotiviert
Kommentare wiederholen sich mit der Zeit
diverse Aussetzer und Fehler bei Kommentaren
vorgefertigte Gesichter statt Editor oder Gesichts-Scan
keine historischen Rennbedingungen (Nachtanken)
leider keine klassischen Rennstrecken
KI lässt sich beim Start und im Regen zu leicht übertölpeln
zu wenig Variation bei Trainingsaufgaben
surreale automatisierte Boxenstopps (krasses Abbremsen & unrealistische Anfahrt)
sehr langsames Geschwindigkeitsgefühl in Außenansichten
eingeschränkte Auswahl bei Audionamen (weder Michael noch Mike)
Auswirkungen der Interviews schnell durchschaut
keine VR-Unterstützung
nur fiktive Sponsoren bei My Team
virtueller Innenspiegel verdeckt wichtige Anzeigen bei Trainings-Missionen
vereinzelte Abstürze (vor allem bei Hanoi)
keine LAN-Unterstützung (Xbox One)
kein Cross-Play
aktuelle Anpassungen (schwarze Mercedes-Lackierung, Corona-Kalender) fehlen noch
NACHTRÄGLICHE Einführung von Mikrotransaktionen und Pitcoin-Währung (wirkt sich nicht auf normale Modi aus!)

Wertung

XboxOne

Dank des neuen Team-Modus und sinnvoller Detailverbesserungen kann sich Codemasters bei F1 2020 nochmals steigern. Großer Umfang, überzeugende Technik und ein tolles Fahrgefühl bilden zusammen ein enorm starkes Motorsport-Paket, das leider von Mikrotransaktion geschwächt wird.

PlayStation4

Dank des neuen Team-Modus und sinnvoller Detailverbesserungen kann sich Codemasters bei F1 2020 nochmals steigern. Großer Umfang, überzeugende Technik und ein tolles Fahrgefühl bilden zusammen ein enorm starkes Motorsport-Paket, das leider von Mikrotransaktion geschwächt wird.

PC

Dank des neuen Team-Modus und sinnvoller Detailverbesserungen kann sich Codemasters bei F1 2020 nochmals steigern. Großer Umfang, überzeugende Technik und ein tolles Fahrgefühl bilden zusammen ein enorm starkes Motorsport-Paket, das leider von Mikrotransaktion geschwächt wird.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

Gar Nicht
Leicht
Mittel
Stark
Extrem
  • Es gibt Käufe für Fähigkeiten, Karten, Figuren, Waffen, Geld, XP oder Spielmodi.
  • Man kann die Spielzeit über Käufe verkürzen, Pay-to-Shortcut.
  • Käufe wirken sich nur in speziellen Spielmodi wie Ultimate Team oder GTA Online aus.
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Kommentare

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Nuracus

Im Keystore ca 33€ denke da macht man nichts groß falsch. Ich hoffe das Safety car geht richtig.In F1 2019 habe ich das nie gesehen trotz das es in den Einstellungen aktiviert war. Bei Crash ect kam es in der Karriere nie raus....

Hab jetzt in 3 Rennen, zweimal je 1x Safety Car draussen gehabt. Virtuelles gab es auch ein paar mal. Eigentlich ganz gut bisher.
Das klingt ja fast wie wenn man in Fifa Handspiel aktiviert, da hatte man in früheren Teilen auch 2 Elfmeter pro Spiel. Weiß nicht, ob das immer noch so ist.

vor einem Jahr
DARK-THREAT

Gehe außerdem davon aus, dass man bei der nächsten Season für VIP gleich nochmal zahlen darf - aber das wissen wir dann erst nach ca. 50 Tagen.
Der VIP Status kostet 9'000 PitCoins. In der Season bekommt man 10'000 wieder, damit man die nächste Season wieder für 9'000 kaufen kann.
Man kauft nur doppelt, wenn man nicht zockt. Und ehrlich, die insgesamt 105'000 XP hat man schnell beisammen. Bin aktuell Level 19 von 30.

Auch wenn ich von Codemasters leicht enttäuscht bin, weil sie nicht transparent damit umgegangen sind, es ist kein Pay2Win. Man bekommt eben zb 4 Autolackierungen pro Season mehr, als ohne VIP. Das ist alles.

Zuletzt bearbeitet vor einem Jahr

vor einem Jahr
olimon0

Generell stimme ich der Abwertung absolut zu, aber darf ich dazu mal was fragen?

Ist bei den MTAs wirklich absichtlich "Mittel" ausgewählt worden?
Es gibt Käufe für Fähigkeiten, Karten, Figuren, Waffen, Geld, XP oder Spielmodi.
Man kann die Spielzeit über Käufe verkürzen, Pay-to-Shortcut.
Käufe wirken sich nur in speziellen Spielmodi wie Ultimate Team oder GTA Online aus.
Was davon trifft denn auf F1 2020 zu? Ich sehe nur Skins und Kosmetik-items als MTA.
Spielmodi, neue Autos, Spielmodi, Geld, XP, oder pay to shortcut kann ich absolut nirgendwo entdecken. Alles was sich kaufen lässt ist nur kosmetisch.
Hi!

Haben wir auch noch in der Redaktion diskutiert und waren da ebenfalls nicht alle einer Meinung.

Ich seh es halt so:

Es gibt Käufe für Geld => Ist für mich durch die Pitcoin-Pakete erfüllt.
Es gibt Käufe für XP => Ist für mich durch den Kauf des VIP-Status erfüllt, den man nur mit Pitcoins erwerben kann und der die XP-Ausschüttung durch zusätzliche Herausforderungen teils deutlich erhöht.

Man kann die Spielzeit über Käufe verkürzen => Ist für mich durch den Item-Shop erfüllt, durch den man sich enorm viel Grind ersparen kann. Ebenso durch den VIP-Status, mit dessen Hilfe man mehr XP bekommt, durch die man schneller in Rängen aufsteigt und entsprechend früher Zugriff auf freigeschaltete Inhalte erhält.

Käufe wirken sich nur in speziellen Modi aus => ist für mich durch die Beschränkung auf den Podium Pass erfüllt, wobei freigeschaltete und gekaufte Items freilich auch innerhalb der Karriere(n) genutzt werden können.

Ich hoffe, das schafft ein bisschen Klarheit.

Gruß!
Also ist es in deinen Augen schlimmer XP-Boosts zu kaufen, um kosmetische Inhalte freizuschalten, als diese Inhalte direkt zu kaufen, was ja dann „leicht“ statt „mittel“ wäre?
Wenn ich den neuen Test jetzt lese und einfach nur zur Wertung springe und dort Mittel steht, dann denke ich sofort an pay to win Aspekte. Würde nicht auf die Idee kommen, dass es nur optische Dinge sind und würde das Spiel dann vielleicht nicht kaufen.

vor einem Jahr
Gaspedal

Dann mal direkt an @Michael Krosta die Frage. Wo wäre F1 2020 Wertungsmäßig im Vergleich zu 2019 gelandet ohne die Abwertung? Bzw. gab es zu 2019 bereits eine Abwertung? Kann mich nimmer entsinnen.
Ohne die Abwertung war ich zuvor bei 86% Prozent gelandet - eine leichte Steigerung gegenüber dem Vorgänger.
Der Videotest zeigt aber immer noch 86% & Gold Award zum Schluss. :D

vor einem Jahr