
Im Test: Ein Traum für Kreative?
Gigantische Möglichkeiten
Das versprochene Update für die VR-Unterstützung soll leider erst später nachgeliefert werden, doch davon abgesehen sind die Möglichkeiten gigantisch! 3D-Plattformer mit knuffigem Küken gefällig? Kein Problem! Wie wär‘s mit einem klassischen Egoshooter oder Kampfroboter-Action inmitten mystischer Tempel? Ebenfalls möglich, wenn auch etwas kniffliger, da die Gegner natürlich erst einmal in einem größeren Areal an sinnvollen Positionen platziert werden müssen. Ob Kugelspiel, Adventure, kleine Taktik- oder Rollenspiele und sogar flache Ebenen mit 2D-Hüpfspielen - in Dreams (ab 17,89€ bei kaufen) wird mehr möglich als in jedem bisherigen Spiel- und Kreativ-Editor! Zudem wird hier ein größerer Fokus auf nicht spielbare Kunstwerke gelegt als in LittleBigPlanet 3, Super Mario Maker 2 oder dem technisch leider recht unsauberen Project Spark.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die kleineren Kunstwerke, räumlichen Pinseleien, kleinen Animationen oder sogar Kurzfilme von Usern oder den Entwicklern. Sie alle dürfen bei Zustimmung des Autors frei getauscht, verwendet oder geremixt werden. In einer Abstammungsliste lässt sich schließlich exakt nachverfolgen, welches Objekt oder welches Vorlagen-Set von welchem Community-Mitglied verbaut wurde. Das dürfte allerdings auch eine eventuelle spätere Monetarisierung von Dreams-Werken schwierig machen.
Fokus auf Zusammenarbeit
Wie gut die Verknüpfung funktioniert, wird im kleinen Story-Modus „Arts Dream“ deutlich, der seit dem Start der Vollversion zur Verfügung steht. Der ehemalige Jazzmusiker Art landet passend zum Thema in einem wilden Fiebertraum, der von seinem Leben, der Vergangenheit und der Gegenwart handelt, und in dem er er bei seinen Bandkollegen einiges wiedergutzumachen hat. Dabei wird allerdings klar, dass das Team die Handlungsfäden der unterschiedlichen Konzepte erst relativ spät zusammengeführt hat, da Themen wie verrauchte Jazz-Studios von vor grob 50 Jahren nicht wirklich zu Arts Kindheitserinnerungen als Roboter-Bastler passen wollen. Roboter D-Bug gehört zu den spielbaren Figuren; er kugelt sich zusammengerollt durch die glühende Welt oder startet Bodenstampfer durch poröse Cyber-Waben. Ebenfalls dabei ist Francis, ein Hammer schwingender Teddybär, der auf Knopfdruck zum Zweistick-Schützen Foxy wechselt.
Etwas haklig
Beim Balancieren über schmale Brücken funken schon mal die etwas träge Handhabung oder die sich wegdrehende Kamera dazwischen. In der dritten Dimension fühlt sich Media Molecules leicht verzögerte Hüpfsteuerung noch einen Deut unzuverlässiger an als bei Sackboy, z.B. wenn man an Schrägen abrutscht. Im Gegenzug offenbart die Kampagne aber das überraschende Potenzial von Dreams als Adventure-Baukasten, vor allem dank der Fähigkeiten des anpassbaren „Wichtel“-Cursors, der sich mit der Bewegungssteuerung des DualShock-Controllers präzise steuern lässt. Immer wieder schlüpft man aus der Spielfigur, um mit dem charmant grinsenden Geistwesen an Schubladen zu ziehen, alte Projektoren zu drehen oder die Welt anderweitig zu manipulieren – eine tolle Ergänzung für Puzzles im Stil von The Room!
Schade, dass sich die Rätsel in der Story so schnell durchschauen lassen. Vorm Kino etwa löst man ein kleines Film-Quiz und in einer surrealen Endstation voller schwebender Säulen bringt man der gestrandeten Musikerin eine Ersatz-Saite. Visuell schöpfen Media Molecule und die engagierten Community-Größen aber aus dem Vollen. Schummrig beleuchtete Studios, glühende Wälder und plötzliche Regie-Tricks mit aufwändigen Animationen und sogar Musical-Einlagen sorgen immer wieder für Gänsehaut. Derart malerisch wirkten bislang bestenfalls Adventures wie Silence, die mit Hilfe von Projection-Mapping erstellt wurden. Doch dank der aufwändigen Animationen und Regie-Tricks wirkt das Gesamtkunstwerk hier noch lebendiger - inklusive Dunst und authentischer Beleuchtung.
Kurzes Vergnügen
Die wahre Schöpfungsgeschichte beginnt allerdings im großen Editor: In Dreams setzt man hübsche Objekte zu einer Kulisse zusammen, färbt Oberflächen wie Wiesen oder Wasser mit der passenden Palette ein und verpasst dem Ganzen Effekte wie hübschen Glanz, Wellenbewegungen oder eine urige Horror-Lichtstimmung. Sogar Kompositionen im Soundstudio sind möglich. Am meisten Persönlichkeit bekommen die Werke aber durch das Schwingen diverser Pinsel. Während man in LittleBigPlanets Ebenen meist mit Bastelmaterialien modellierte, um sie mit Stickern zu verschönern, kann man seinen Visionen diesmal am besten mit Gemälden Ausdruck verleihen, die später in der Kulisse verbaut werden.
Mächtig aber auch zeitaufwändig
Das kann am Ende äußerst hübsch aussehen, besitzt aber auch seine Tücken. Allein schon die drei Dimensionen sorgen natürlich für mehr Aufwand. Man muss schlicht und einfach mehr zurecht rücken als beim 2D-Sackboy, Mario oder Battleblock Theater - bis schließlich alle Entfernungen passen und nicht mehr krumm und schief aussehen. Mit der Bewegungs-Steuerung per DualShock- oder Move-Controller platziert man Objekte intuitiv in der Kulisse. Für mehr Präzision lässt sich mittlerweile eine Dual-Stick-Steuerung nutzen, die Controller-Bewegungen komplett ignoriert. Eine schöne Ergänzung, welche die Bastelstunde aber noch langwieriger macht. Welche Variante man nutzt, ist primär Geschmackssache, da alle ihre Vorteile und Problemchen besitzen.
Insgesamt brauchten wir übrigens noch nie so lange, um uns in einen Spiele-Baukasten mit all seinen Feinheiten, verschachtelten Untermenüs und Steuerungs-Tricks einzuarbeiten. Anfänger dürften sich zunächst stark überfordert fühlen, zumal einem online mehr „unfertige“ Kreationen begegnen als in Media Molecules älteren Spielen. Selbst ein rudimentäres Jump-n-Run- oder ein Kugel-Parcours erfordert ein paar Stunden konzentrierte Aufmerksamkeit im Editor – plus viele, viele Stunden, in denen man sich vorher durch die ausführlichen, angenehm interaktiven Tutorials arbeiten sollte. Sowohl Project Spark als auch Little Big Planet oder der haklige Trials-Rising-Editor führen deutlich schneller zu Erfolgserlebnissen. Diese Konkurrenz-Baukästen geben Anfängern zu Beginn mehr vorgefertigte Genre-Templates an die Hand, die sich auch einfacher auffinden lassen.
Schalten und Klonen
Fazit
Wer viel Zeit mitbringt, bekommt mit Dreams ein unheimlich mächtiges Werkzeug für vielschichtige Kreationen im Bereich der Spiele, Bilder und Animationen! Vor allem die traumartigen Kulissen aus malerischen Pinselstrichen und die aufwändigen Animationen haben mich immer wieder ins Staunen versetzt! LittleBigPlanet-Schöpfer Media Molecule hat tatsächlich den Spagat zwischen einem unverwechselbaren Stil und viel künstlerischer Freiheit geschafft. Auch die Möglichkeiten zu teilen und zu kooperieren sind vorbildlich. Schade allerdings, dass Anfänger nicht ähnlich gut mit vereinfachten Systemen an die Hand genommen werden wie in LittleBigPlanet, Gameglobe oder Super Mario Maker. Neulinge dürften sich hier schnell überfordert fühlen. Das macht sich mitunter auch in Kreationen bemerkbar, denn vieles wirkt bislang eher wie eine Vision von dem, was möglich ist - zumal auch der rund zweieinhalb Stunden kurze Story-Modus eher wie ein (äußerst hübscher) Ideengeber wirkt. Zudem sollte man im Hinterkopf behalten, dass andere gelungene 3D-Baukästen wie Gameglobe von Square Enix relativ schnell wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Für ambitionierte Bastler stellt sich also nach wie vor die Frage, ob sie die Energie nicht lieber ins Erlernen einer zukunftssicheren professionellen Engine wie Unreal oder Unity stecken wollen.
Pro
Kontra
Wertung
PlayStation4
Unheimlich mächtiger Baukasten für Spiele, Animationen und traumhaft malerische Kunstwerke - den Einstieg hätten die LittleBigPlanet-Schöpfer aber deutlich einfacher gestalten müssen.
Echtgeldtransaktionen
Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?
- Es gibt keine Käufe.
- Dieses Spiel ist komplett echtgeldtransaktionsfrei.
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