
Im Test: Back to the Moon
Bungie öffnet Plattformgrenzen
Man kann natürlich festhalten, dass sich mit dem Erscheinen der aktuellen Erweiterung nicht gerade wenig verändert hat. Immerhin ist Destiny 2 seitdem kostenlos spielbar – in der Basisversion jedenfalls, also ohne Festung der Schatten (engl.: Shadowkeep) und dem davor erschienenen Forsaken, weshalb reinen Free-to-play-Spielern wesentliche Inhalte der zwei Erweiterungen nicht zur Verfügung stehen. Was aber nicht bedeutet, dass sie leer ausgehen! Denn schon mit der schlanken Grundfassung kann man sich Dutzende Stunden lang die Zeit vertreiben. Es sind ja nicht nur verschiedene Kampagnen spielbar, sondern auch der PvP-Modus Schmelztiegel, Strikes, die im ersten Jahr veröffentlichten Raids sowie etliche Aktivitäten auf Erde, Mars, Io und an allen anderen Schauplätzen. Wer schon immer mal einen Blick auf Destiny werfen wollte: Jetzt ist der beste Zeitpunkt, das zu tun.
Zumal Bungie mit Cross Save auch das Fortführen eines Spielstands über alle Plattformen hinweg eingeführt hat. Wenn mir danach ist, wechsele ich damit von PlayStation 4 auf PC, um die schärfere Darstellung bei 60 Bildern pro Sekunde zu genießen. Cross Play gibt es allerdings noch nicht, sprich alle Spieler einer Plattform bleiben nach wie vor unter sich.
Und noch eine Einschränkung sorgt bei mir zumindest dafür, dass ich bisher nur wenig Zeit mit der PC-Version verbracht habe: Gekaufte Erweiterungen sind ausschließlich auf den jeweiligen Plattformen verfügbar. Bestimmte Aktivitäten kann ich somit gar nicht ausführen, manche Quests nicht fortführen, wenn ich auf Steam unterwegs bin, weshalb ich denn auch fast immer drauf verzichte. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass sich allzu viele Spieler Forsaken oder Festung der Schatten zweimal kaufen, wäre es klasse, wenn Bungie hier noch eine großzügige und damit praktikablere Lösung findet. Im aktuellen Zustand hält sich der Nutzen von Cross Save für erfahrene Hüter jedenfalls in engen Grenzen.
Viel hat sich nicht getan
Was bedeutet free-to-play?
Meine Vermutung: Das hat ganz stark damit zu tun, dass die Umstellung auf free-to-play sowie damit verbundene spielerische Änderungen einen so großen Aufwand bedeuteten, dass es sich die Entwickler mit der inhaltlichen Erweiterung so einfach wie möglich machen mussten. Immerhin beeinflusst jedes Rüstungsteil nun nicht nur Schnelligkeit, Stärke des Schilds sowie dessen Verzögerung beim Wiederaufladen, sondern auch die Abklingzeiten der drei Spezialfähigkeiten. Das macht das Zusammenstellen einer individuellen Rüstung interessanter, verlangt allerdings auch bedeutend mehr Zeit. Man muss die passenden Teile ja erst mal finden, bevor man sie in einem relativ langwierigen Prozess bestmöglich erweitert. Auch das Verbessern der Waffen wurde um neue Modifikationen und zusätzliche Ebenen beim Beschaffen der dafür notwendigen Ressourcen in die Länge gezogen – meines Erachtens alles Maßnahmen, die spielerisch wenige Vorteile bringen, den im Free-to-play-Bereich stärker ausgeprägten Grind aber stärker als bisher in den Mittelpunkt rücken.
Zwei Neuerungen machen das Dauerspielen dafür ein wenig interessanter. So wurde ein saisonaler Fortschritt eingeführt, bei dem man mit dem Erreichen fast jeder der 100 Stufen eine Belohnung erhält. Dazu zählen neben Verzierungen auch Verbesserungskerne und andere nützliche Gegenstände sowie ein vom Fortschritt abhängiger Bonus für den zentralen Power-Wert. In einem zweiten Stufensystem schaltet man außerdem Modifikationen frei. Die saisonalen Inhalte sind in der Erweiterung enthalten. Aber der kommenden Saison werden sie allerdings Teil eines kostenpflichtigen Season Pass sein.
Nicht zuletzt macht Bungie weiterhin mit recht häufig wechselnden PvP- und PvE-Events immer wieder Lust aufs Spiel, auch wenn die meisten freilich Variationen der immer gleichen Ereignisse sind und ich schon Spannenderes erlebt habe als aus dem Spukforst ins Nichts zu fallen. Im Gegenzug gibt es ein stetes Hinzukommen neuer Herausforderungen, je weiter die Saison und auch der eigene Fortschritt voranschreiten. So oder so ist also viel Bewegung im Spiel.
Unsortiertes Durchzählen
Man muss ganz generell festhalten, dass sich Bungie mächtig ins Zeug gelegt hat, nachdem Destiny 2 zwar stark gestartet ist, dann aber schnell vergaß seine Hüter langfristig zu motivieren. Tatsächlich gibt es spätestens seit Forsaken zahlreiche Aktivitäten, die selbst Dauerspieler lange bei der Stange halten. Das hat allerdings nicht nur sein Gutes, denn viele sind schier endlose Zählaufgaben, die man noch dazu mit bestimmter Ausrüstung erledigen muss. Sprich, man verbringt viel Zeit mit ermüdendem Abarbeiten, anstatt interessante Variationen spielerischer Inhalte zu erleben. Selbst in der Kampagne zu Festung der Schatten bleibt man von derartiger Laufzeitstreckung nicht verschont – um etwa eine nutzlose Rüstung zu erspielen, die ich kein einziges Mal in den Einsätzen angelegt habe, für die sie eigentlich gedacht ist. Das war schwach, Bungie!
Macht dem ein Ende!
Ein Wort schließlich zu den neuen Finishern. Man sieht seinen Hüter dafür von außen, die Umgebung wird verdunkelt... gar nicht schlecht, fast besiegten Gegnern mit einem schick inszenierten Tritt so den Rest zu geben. Ich verstehe außerdem das Anliegen, über Personalisierungs-Möglichkeiten möglichst viele Anreize zum Kauf ebensolcher zu schaffen. Immerhin erhält man Finisher u.a. im Austausch gegen Silber, also der für Echtgeld erhältlichen Währung. Aus verschiedenen Gründen passen die Finisher allerdings nicht so recht ins Spiel.
Zum Schluss außerdem ein Wort zu dem, was überhaupt für Echtgeld erhältlich ist, und wobei es sich weiterhin um ausschließlich kosmetische Gegenstände handelt. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt kaum in Versuchung geführt wurde, mehr Geld bei Tess auszugeben. Sie bietet zwar eine ganze Reihe Verzierungen, Teleporteffekte und mehr an, mir fehlt aber auch hier eine Übersicht bzw. ein breiteres dauerhaft verfügbares Angebot, um über den Kauf des einen oder anderen Extras ernsthaft nachzudenken.
Fazit
Betrachtet man alle Änderungen, die mit Festung der Schatten Einzug hielten, dann ist es durchaus erfreulich zu sehen, wie sehr Bungie weiterhin um Destiny 2 bemüht ist. Man kann ungesund viel Zeit auf dem Mond, der Erde oder im Riff verbringen und trotzdem ständig neue Ausrüstung erspielen, um sie anschließend zu perfektionieren. Überhaupt handelt es sich nach wie vor um einen erstklassigen Shooter, in dem zahlreiche Solo- und Team-Herausforderungen auch nach Jahren noch verdammt viel Spaß machen. Gleichzeitig benötigt das zu allem Überfluss recht unübersichtliche Erspielen und Verbessern viel Zeit, in der belanglose Fleißaufgaben erfüllt werden müssen. Hinzu kommt mit der aktuellen Erweiterung eine Kampagne, die langweiliger kaum sein könnte, sowie Inhalte, die zwar unterhaltsam sind, im Kern aber nichts Neues bieten. Die neuen Finisher sind nette, aber belanglose Ergänzungen, Cross Save erfüllt für Besitzer mindestens einer Erweiterung keinen echten Sinn… unterm Strich bin ich von der aktuellen Erweiterung vor allem deshalb enttäuscht, weil sie das Altbekannte lediglich in die Länge zieht, anstatt für neuen spielerischen Schwung zu sorgen.
Pro
Kontra
Wertung
PlayStation4
Festung der Schatten zieht das Altbekannte lediglich in die Länge, anstatt neuen Schwung ins Spiel zu bringen.
Echtgeldtransaktionen
Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?
- Es gibt Käufe nur für optionale Kosmetik wie Farben, Skins, Kostüme etc.
- Man kann die Spielzeit über Käufe nicht verkürzen, kein Pay-to-Shortcut.
- Man kann sich keine Vorteile im Wettbewerb oder der Karriere verschaffen, kein Pay-to-win.
- Käufe haben keine Auswirkungen auf das Spieldesign.
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