Destiny 2: Festung der Schatten01.11.2019, Benjamin Schmädig

Im Test: Back to the Moon

Tja... Destiny. Alle paar Monate kehre ich dorthin zurück, schaue mir an, was sich verändert hat – und bin mit jedem Mal etwas schneller wieder satt. Auf die Festung der Schatten hatte ich mich aber besonders gefreut, denn der Mond gehört nach wie vor zu den eindrucksvollsten Schauplätze in Bungies Universum. Die überarbeitete Version wollte ich mir deshalb nicht entgehen lassen. Aber im Test zeigte sich eben, dass es nur genau das ist: eine überarbeitete Version. Mehr nicht?

Bungie öffnet Plattformgrenzen

Man kann natürlich festhalten, dass sich mit dem Erscheinen der aktuellen Erweiterung nicht gerade wenig verändert hat. Immerhin ist Destiny 2 seitdem kostenlos spielbar – in der Basisversion jedenfalls, also ohne Festung der Schatten (engl.: Shadowkeep) und dem davor erschienenen Forsaken, weshalb reinen Free-to-play-Spielern wesentliche Inhalte der zwei Erweiterungen nicht zur Verfügung stehen. Was aber nicht bedeutet, dass sie leer ausgehen! Denn schon mit der schlanken Grundfassung kann man sich Dutzende Stunden lang die Zeit vertreiben. Es sind ja nicht nur verschiedene Kampagnen spielbar, sondern auch der PvP-Modus Schmelztiegel, Strikes, die im ersten Jahr veröffentlichten Raids sowie etliche Aktivitäten auf Erde, Mars, Io und an allen anderen Schauplätzen. Wer schon immer mal einen Blick auf Destiny werfen wollte: Jetzt ist der beste Zeitpunkt, das zu tun.

Zumal Bungie mit Cross Save auch das Fortführen eines Spielstands über alle Plattformen hinweg eingeführt hat. Wenn mir danach ist, wechsele ich damit von PlayStation 4 auf PC, um die schärfere Darstellung bei 60 Bildern pro Sekunde zu genießen. Cross Play gibt es allerdings noch nicht, sprich alle Spieler einer Plattform bleiben nach wie vor unter sich.

Und noch eine Einschränkung sorgt bei mir zumindest dafür, dass ich bisher nur wenig Zeit mit der PC-Version verbracht habe: Gekaufte Erweiterungen sind ausschließlich auf den jeweiligen Plattformen verfügbar. Bestimmte Aktivitäten kann ich somit gar nicht ausführen, manche Quests nicht fortführen, wenn ich auf Steam unterwegs bin, weshalb ich denn auch fast immer drauf verzichte. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass sich allzu viele Spieler Forsaken oder Festung der Schatten zweimal kaufen, wäre es klasse, wenn Bungie hier noch eine großzügige und damit praktikablere Lösung findet. Im aktuellen Zustand hält sich der Nutzen von Cross Save für erfahrene Hüter jedenfalls in engen Grenzen.

Viel hat sich nicht getan

Die neuen Gegner sind leider nur stärkere Varianten altbekannter Kreaturen.
Aber zur aktuellen Erweiterung selbst, der Festung der Schatten, für die man auf den Mond zurückkehrt, nachdem Eris Morn eine drohende Gefahr entdeckt hat. Der Trabant wird nämlich von Albträumen und Geistern heimgesucht – was nach wesentlich mehr klingt, als es tatsächlich ist. Denn in Wirklichkeit fand ich weder die hauchdünne Geschichte interessant noch die neuen Gegner spannend. Was hauptsächlich daran liegt, dass Letztere nichts weiter sind als altbekannte Wesen mit dickeren Lebensbalken. Von der müden Art und Weise, mit der die neuen Vex-Angriffe eingeführt werden, fange ich erst gar nicht an, und selbst die Kampagne ist nur eine Aneinanderreihung unspektakulärer Gefechte, bevor sie in einer Art Déjà-vu aus Destiny 1 und 2 bekannter Bosskämpfe „gipfelt“. Das empfand ich als mächtig ernüchternd. Auch die hinzugekommenen Aktivitäten... Sicher, da sind unterhaltsame Arenakämpfe oder neue Kopfgelder dabei. Frische Ideen sind aber Fehlanzeige.

Was bedeutet free-to-play?

Meine Vermutung: Das hat ganz stark damit zu tun, dass die Umstellung auf free-to-play sowie damit verbundene spielerische Änderungen einen so großen Aufwand bedeuteten, dass es sich die Entwickler mit der inhaltlichen Erweiterung so einfach wie möglich machen mussten. Immerhin beeinflusst jedes Rüstungsteil nun nicht nur Schnelligkeit, Stärke des Schilds sowie dessen Verzögerung beim Wiederaufladen, sondern auch die Abklingzeiten der drei Spezialfähigkeiten. Das macht das Zusammenstellen einer individuellen Rüstung interessanter, verlangt allerdings auch bedeutend mehr Zeit. Man muss die passenden Teile ja erst mal finden, bevor man sie in einem relativ langwierigen Prozess bestmöglich erweitert. Auch das Verbessern der Waffen wurde um neue Modifikationen und zusätzliche Ebenen beim Beschaffen der dafür notwendigen Ressourcen in die Länge gezogen – meines Erachtens alles Maßnahmen, die spielerisch wenige Vorteile bringen, den im Free-to-play-Bereich stärker ausgeprägten Grind aber stärker als bisher in den Mittelpunkt rücken.

Zwei Neuerungen machen das Dauerspielen dafür ein wenig interessanter. So wurde ein saisonaler Fortschritt eingeführt, bei dem man mit dem Erreichen fast jeder der 100 Stufen eine Belohnung erhält. Dazu zählen neben Verzierungen auch Verbesserungskerne und andere nützliche Gegenstände sowie ein vom Fortschritt abhängiger Bonus für den zentralen Power-Wert. In einem zweiten Stufensystem schaltet man außerdem Modifikationen frei. Die saisonalen Inhalte sind in der Erweiterung enthalten. Aber der kommenden Saison werden sie allerdings Teil eines kostenpflichtigen Season Pass sein.

Nicht zuletzt macht Bungie weiterhin mit recht häufig wechselnden PvP- und PvE-Events immer wieder Lust aufs Spiel, auch wenn die meisten freilich Variationen der immer gleichen Ereignisse sind und ich schon Spannenderes erlebt habe als aus dem Spukforst ins Nichts zu fallen. Im Gegenzug gibt es ein stetes Hinzukommen neuer Herausforderungen, je weiter die Saison und auch der eigene Fortschritt voranschreiten. So oder so ist also viel Bewegung im Spiel.

Unsortiertes Durchzählen

Man muss ganz generell festhalten, dass sich Bungie mächtig ins Zeug gelegt hat, nachdem Destiny 2 zwar stark gestartet ist, dann aber schnell vergaß seine Hüter langfristig zu motivieren. Tatsächlich gibt es spätestens seit Forsaken zahlreiche Aktivitäten, die selbst Dauerspieler lange bei der Stange halten. Das hat allerdings nicht nur sein Gutes, denn viele sind schier endlose Zählaufgaben, die man noch dazu mit bestimmter Ausrüstung erledigen muss. Sprich, man verbringt viel Zeit mit ermüdendem Abarbeiten, anstatt interessante Variationen spielerischer Inhalte zu erleben. Selbst in der Kampagne zu Festung der Schatten bleibt man von derartiger Laufzeitstreckung nicht verschont – um etwa eine nutzlose Rüstung zu erspielen, die ich kein einziges Mal in den Einsätzen angelegt habe, für die sie eigentlich gedacht ist. Das war schwach, Bungie!

Der saisonale Fortschritt bringt zusäztliche Belohnungen, wird ab der kommenden Saison allerdings nur per Season Pass verfügbar sein.
Ein echtes Ärgernis der großen Masse möglicher Aufgaben ist zudem die Unordnung, die sie erzeugt. Wer nicht fast bis mehrmals täglich online ist, muss sich jedes Mal erst in das Wirrwarr hineindenken und verliert schnell den Überblick über langfristige Ziele. Mir fehlen dauerhaft einstellbare Sortierfunktionen sowie eine schnelle Übersicht darüber, mit welchen Aufgaben bzw. Aufgabenketten man ausgesuchte Belohnungen erhält, geheime Aktivitäten natürlich ausgeschlossen.

Macht dem ein Ende!

Ein Wort schließlich zu den neuen Finishern. Man sieht seinen Hüter dafür von außen, die Umgebung wird verdunkelt... gar nicht schlecht, fast besiegten Gegnern mit einem schick inszenierten Tritt so den Rest zu geben. Ich verstehe außerdem das Anliegen, über Personalisierungs-Möglichkeiten möglichst viele Anreize zum Kauf ebensolcher zu schaffen. Immerhin erhält man Finisher u.a. im Austausch gegen Silber, also der für Echtgeld erhältlichen Währung. Aus verschiedenen Gründen passen die Finisher allerdings nicht so recht ins Spiel.

Finisher sind eine schicke Ergänzung, wirken allerdings wie kleine Fremdkörper in dem ansonsten erstklassigen Shooter.
Zum einen bin ich kein Freund wechselnder Perspektiven, weshalb ich die Außendarstellung als eher störend empfinde. Im allgemeinen tun Ego-Shooter gut daran, die Ego-Perspektive konsequent zu halten. Zum anderen haben die Finisher keinen nennenswerten Nutzen. Damit beseitigt man die „Überreste“ geschwächter Feinde zwar relativ gefahrlos, doch weder sind daran etwa das Aufladen des Supers oder andere kleine Vorteile gebunden. Schade ist außerdem, dass man sie nicht beobachten kann. Führt ein Begleiter einen Tritt aus, sieht man im Wesentlichen nur, dass sein Gegner plötzlich tot ist, mehr nicht. Alles in allem empfinde ich das neue Element daher als überflüssig, im besten Fall noch längst nicht ausgereift.

Zum Schluss außerdem ein Wort zu dem, was überhaupt für Echtgeld erhältlich ist, und wobei es sich weiterhin um ausschließlich kosmetische Gegenstände handelt. Ich muss sagen, dass ich bis jetzt kaum in Versuchung geführt wurde, mehr Geld bei Tess auszugeben. Sie bietet zwar eine ganze Reihe Verzierungen, Teleporteffekte und mehr an, mir fehlt aber auch hier eine Übersicht bzw. ein breiteres dauerhaft verfügbares Angebot, um über den Kauf des einen oder anderen Extras ernsthaft nachzudenken.

Fazit

Betrachtet man alle Änderungen, die mit Festung der Schatten Einzug hielten, dann ist es durchaus erfreulich zu sehen, wie sehr Bungie weiterhin um Destiny 2 bemüht ist. Man kann ungesund viel Zeit auf dem Mond, der Erde oder im Riff verbringen und trotzdem ständig neue Ausrüstung erspielen, um sie anschließend zu perfektionieren. Überhaupt handelt es sich nach wie vor um einen erstklassigen Shooter, in dem zahlreiche Solo- und Team-Herausforderungen auch nach Jahren noch verdammt viel Spaß machen. Gleichzeitig benötigt das zu allem Überfluss recht unübersichtliche Erspielen und Verbessern viel Zeit, in der belanglose Fleißaufgaben erfüllt werden müssen. Hinzu kommt mit der aktuellen Erweiterung eine Kampagne, die langweiliger kaum sein könnte, sowie Inhalte, die zwar unterhaltsam sind, im Kern aber nichts Neues bieten. Die neuen Finisher sind nette, aber belanglose Ergänzungen, Cross Save erfüllt für Besitzer mindestens einer Erweiterung keinen echten Sinn… unterm Strich bin ich von der aktuellen Erweiterung vor allem deshalb enttäuscht, weil sie das Altbekannte lediglich in die Länge zieht, anstatt für neuen spielerischen Schwung zu sorgen.

Pro

neuer alter Schauplatz mit einigen nach wie vor beeindruckenden Arealen
unterhaltsame neue Arenen und andere Herausforderungen
Cross Save ermöglicht Fortführen eines Kontos auf allen Plattformen...
zahlreiche Aufgaben (auch für Hüter, die täglich spielen) sowie saisonaler Fortschritt mit freischaltbaren Mods und Belohnungen
spielerisch interessantes..,

Kontra

uninteressante, dröge erzählte Geschichte
lediglich stärkere Varianten bekannter Gegner, aber keine neuen
... Erweiterungen (Forsaken und Festung der Schatten) müssen allerdings separat gekauft werden
Aufgaben werden besser als zuvor, aber noch immer unübersichtlich sortiert Gelegenheitsspieler werden nicht geführt, sondern von Möglichkeiten erschlagen
... aber auch enorm langwieriges Individualisieren von Waffen
etlicher langweilige Fleißaufgaben, oft mit Fokus auf Einsatz bestimmter Waffen
Finisher wirken wie Fremdkörper und haben keinerlei taktischen Nutzen

Wertung

PlayStation4

Festung der Schatten zieht das Altbekannte lediglich in die Länge, anstatt neuen Schwung ins Spiel zu bringen.

Echtgeldtransaktionen

Wie negativ wirken sich zusätzliche Käufe auf das Spielerlebnis, die Mechanik oder die Wertung aus?

Gar Nicht
Leicht
Mittel
Stark
Extrem
  • Es gibt Käufe nur für optionale Kosmetik wie Farben, Skins, Kostüme etc.
  • Man kann die Spielzeit über Käufe nicht verkürzen, kein Pay-to-Shortcut.
  • Man kann sich keine Vorteile im Wettbewerb oder der Karriere verschaffen, kein Pay-to-win.
  • Käufe haben keine Auswirkungen auf das Spieldesign.
0
Kommentare

Du musst mit einem 4Players-Account angemeldet sein, um an der Diskussion teilzunehmen.

DonDonat

CODE: Alles auswählen

Gleichzeitig benötigt das zu allem Überfluss recht unübersichtliche Erspielen und Verbessern viel Zeit, in der belanglose Fleißaufgaben erfüllt werden müssen.
Naja, man bekommt einige Aufgaben um an Exotische Waffen zu kommen. Das sind wirklich Fleißaufgaben, finde ich jetzt nicht belanglos.
Was soll daran denn nicht belanglos sein?
Wenn ich 1000 Gegner oder so töten muss, dann sind die ersten paar noch wegen der neuen Mechanik von Belang, der gesamte Rest danach ist aber einfach unnötig und somit auch belanglos.

Aber ja im Punkto PVP stimme ich dir voll zu: es nervt mich jede mal, wenn der in den Weeklies ist, da er mir Null Spaß macht und mit Leuten die einen Ping von >500 haben (und/oder Hacks, vor dem F2P Release war es definitiv noch nicht so schlimm wie jetzt) auch regelmäßig nahezu unspielbar wird...

vor 2 Jahren
Solon25

CODE: Alles auswählen

Gleichzeitig benötigt das zu allem Überfluss recht unübersichtliche Erspielen und Verbessern viel Zeit, in der belanglose Fleißaufgaben erfüllt werden müssen.
Naja, man bekommt einige Aufgaben um an Exotische Waffen zu kommen. Das sind wirklich Fleißaufgaben, finde ich jetzt nicht belanglos. Was mich daran stört ist, das dort immer PvP Aktivitäten gefordert werden. Vorher viel Zeit investiert und dann kommt irgendwann wieder eine PvP Fleißarbeit dazu :/

vor 2 Jahren