Diablo 3: Rückkehr des Totenbeschwörers30.06.2017, Marcel Kleffmann
Diablo 3: Rückkehr des Totenbeschwörers

Im Test: Frische Leichen leben länger

Eine neue Klasse für 14,99 Euro? Puh! Das klingt ganz schön gesalzen. Wir haben uns die Rückkehr des Totenbeschwörers in Diablo 3: Reaper of Souls ausführlich angeschaut und dabei untote Diener befehligt, Knochen aus Leibern gerissen, fiese Flüche verteilt und natürlich viel Blut vergossen. Fügt sich der Neuling harmonisch in die bestehende Charakter-Riege ein oder ist er nur ein Relikt aus dem zweiten Diablo?

Kein zweiter Hexendoktor

Der neue Totenbeschwörer hebt sich dank seiner Fertigkeiten und der unterschiedlichen Spielweisen recht deutlich vom Hexendoktor ab, der anderen Klasse mit Begleitern in Diablo 3. Und das ist gut so - wobei der Nekromant im Vergleich zu Diablo 2 seine Gift-Zauber an den zappeligen Hexendoktor abtreten musste. Aber dafür verfügt er nun über Blut-Zauber und spezielle Blut-Runen, was thematisch ganz gut passt und schön morbide ist. Generell spielt sich der Totenbeschwörer deutlich aktiver als alle seine Klassenkumpanen. Während zum Beispiel beim Hexendoktor oder beim Dämonenjäger diverse Fertigkeiten entweder passiv oder automatisch zielsuchend waren, darf man beim Totenbeschwörer zum Glück selbst mehr machen - und zwar in allen "Builds" (Auswahl an Fertigkeiten, Runen, Ausrüstung).

Die grundlegende Ressource sind Essenzen, die wie bei anderen Klassen mit einem Primärangriff generiert werden. Ansonsten braucht der Totenbeschwörer allerhand frische Leichen.

Frische Leichen

Die Spielweisen des Totenbeschwörers sind überraschend vielfältig und hängen von der Fähigkeitsauswahl, den Runen-Modifikationen und den ausgerüsteten Gegenständen ab, wobei gerade die (vier) Sets die Vorgehensweisen stark modifizieren bzw. verstärken.

Eine Spielweise ist der Summoner, also der eigentliche Beschwörer, der mit vielen Begleitern durch Sanktuario zieht. Mit einem Golem, Skelettkriegern, leider viel zu kurz "lebenden" Skelettmagiern und wiedererweckten, schattenhaften Monstern kann der Totenbeschwörer mehr als zwei Dutzend Diener im Schlepptau haben. Wobei sich Golem und Skelettkrieger aktiv befehligen lassen. Ein Tastendruck lässt die Skelettkrieger beispielsweise zu einem Gegner stürmen. Die Begleiter kümmern sich also um die "Drecksarbeit". Der Totenbeschwörer kümmert sich derweil um die Zielprioritäten und die Leichen-Beschaffung/Ressourcen.

Wichtig für solch einen Beschwörer sind "frische Leichen", wie es der Charakter selbst nennt. Getötete Gegner oder mit Runen modifizierte

Mit Skelettkriegern, Skelettmagiern bzw. Bogenschützen, einem Golem und zehn wiedererweckten Kreaturen führt der Totenbeschwörer eine kleine Armee an.
(eigene) Beschwörungen hinterlassen nach ihrem Ableben einen Leichenhaufen, mit dem der Nekromant diverse Sachen anstellen kann. Aus diesen Leichen können Gegner als Diener auferstehen oder man sprengt die Leichen mit der optisch etwas übertriebenen, aber sehr unterhaltsamen Leichenexplosion. Man darf fiese Geschosse aus einer Leiche auf andere Feinde schleudern oder man verschlingt die Leichen für Essenzen. Leichen sind somit eine weitere "Ressource", die in manchen Bosskämpfen gar nicht so einfach zu bekommen sind. Hier muss man sich dann Gedanken machen, wie man aus erster Hand an neue Leichen kommt.

Blut und Knochen

Neben diesem Beschwörer (Summoner-Build) kann sich der Klassen-Neuling im Nahkampf versuchen und dort auf Knochenzauber und Flüche setzen. Mit Knochenspeer und Knochenrüstung sowie den richtigen Ausrüstungs- und Set-Gegenständen lässt sich ein fast unkaputtbarer Nahkämpfer hochrüsten, vor allem mit dem Inarius-Set und seinem "Knochensturm". Und dann sind da noch die Blut-Runen, die es als optionale Modifikation für viele der aktiven Fähigkeiten gibt. Entscheidet man sich für solch eine Blutrune, kosten die Fertigkeiten zusätzlich Lebensenergie (quasi als weitere Ressource), richten aber mehr Schaden an, was wiederum vom Set "Trag'Oul's Avatar" gefördert wird - zumal seine Begleiter und er selbst über eine Blutsaugen-Primärfähigkeiten verfügen. Nicht ganz so spannend ist jedoch das "Pestilence Master Set", das zu sehr auf den Knochenspeer setzt. Alternativ kann man sich auch selbst eine Mischung zusammenstellen und zum Beispiel einen blutsaugenden Totenbeschwörer mit Golem und Blutnova basteln.

Sein Platz in der Riege

Alles in allem reiht sich der Totenbeschwörer sehr gut in das Klassenkonzept von Diablo 3: Reaper of Souls ein und punktet mit der komplexesten Spielmechanik (Essenz, Leichen und Lebensenergie) in dem Hack-&-Slay.

Aus Leichen können gezielt Stacheln auf andere Gegner abfeuert werden.
Er spielt sich nicht wie ein lahmer Abklatsch einer anderen Klasse und glänzt mit mehreren brauchbaren Spielweisen, die sich stellenweise gewitzt modifizieren lassen - eine schöne Sache! Anfangs des Betatests machte der Totenbeschwörer längst keinen so runden Eindruck. Bei der Anzahl der aktiven Fertigkeiten (21) liegt der Totenbeschwörer jedoch hinter den anderen Klassen und so wirklich spektakulär sind seine passiven Fähigkeiten nicht.

Happiger Preis

Knackpunkt der Erweiterung ist der happige Preis von 14,99 Euro. Selbstverständlich hätte ich es besser gefunden, wenn Blizzard Entertainment den Totenbeschwörer in eine zweite Erweiterung im Stile von Reaper of Souls verpackt hätte - mit einem sechsten Akt, mehr Gebieten und Co. Auf eine gewisse Art und Weise wirkt diese Mini-Erweiterung wie eine zusätzliche Injektion, um Diablo 3 weiter am Leben zu halten und die Spielerschaft zu beschäftigen, während an einem "echten Nachfolger" gearbeitet wird.

Blut-Runen modifizieren die aktiven Fähigkeiten. Sie sorgen dafür, dass die Fertigkeiten zusätzlich noch Lebenspunkte kosten, dafür aber mehr Schaden anrichten.
Dafür muss man den Entwickler zugutehalten, dass die gebotene Qualität der Erweiterung sehr gut ist. Für die deutsche Version des Totenbeschwörers wurden markante Stimmen (männlich und weiblich) verpflichtet und zugleich alle Sprachaufnahmen für seine Rolle in der Story-Kampagne erneut aufgenommen. Fähigkeitendesign, Gegenstände, Sets sowie die Animationen fügen sich sehr stimmig in das Gesamtbild des Hauptspiels ein - ebenso wie die neuen Gebiete mit dem kostenlosen Patch 2.6; vor allem der Tempel der Erstgeborenen verströmt einen blutig-morbiden Charme.

Neben dem Totenbeschwörer umfasst die Download-Erweiterung einen halb geformten Golem als Gefährten im Spiel, das Accessoire Schwingen des Kryptawächters, zwei zusätzliche Charakterplätze, zwei Beutetruhenfächer (nur PC) sowie Totenbeschwörerporträt, -banner, -siegel und -verzierung sowie Blutmeisterflagge.

Fazit

Der Totenbeschwörer fügt sich gut in die Charakter-Riege von Diablo 3: Reaper of Souls ein und bietet für D3-Verhältnisse überraschend vielfältige Spielweisen, egal ob man auf eine Untoten-Armee, einen Nahkampf-Knochenbrecher oder auf ein blutiges Fluchmonster setzt. Im Gegensatz zu seinen Kollegen spielt sich der Totenbeschwörer deutlich aktiver, kann über zwei Dutzend untote Diener im Schlepptau haben und erfordert mehr Aktivität vom Spieler, wobei natürlich gilt, dass nicht alle Fähigkeiten für Endgame-Inhalte sinnvoll sind. Etwas blutlos präsentieren sich jedoch die passiven Fertigkeiten. Die Preisgestaltung ist zudem eine Sache für sich. 14,99 Euro für eine neue Klasse plus ein bisschen Krimskrams sind schon happig. 9,99 Euro würde ich trotz des hohen Produktionswertes für angemessener halten. Zumal StarCraft: Remastered auch 14,99 Euro kostet und zusätzliche Co-op-Kommandanten bei StarCraft 2 mit 4,99 Euro zu Buche schlagen. Daher bin ich der Ansicht, dass diejenigen, die schon viele Stunden in Diablo 3: Reaper of Souls versenkt haben und noch zwischendurch in den Saisons aktiv sind, durchaus viel Spaß mit dem Totenbeschwörer haben können, gerade wegen der gelungenen, unterschiedlichen Spielweisen. Ein Ersatz für eine echte (zweite) Erweiterung ist die Rückkehr des Totenbeschwörers aber nicht.

Pro

stimmig gestaltete Klasse
vergleichsweise komplexe Ressourcenmechanik
aktivere Spielweise
Sets und leg. Gegenstände modifizieren Fähigkeiten bzw. Spielweise
Leichenexplosionen und mehr als 25 Begleiter möglich
Sprachaufnahmen (auch für die Kampagne)

Kontra

happiger Preis
maue Zusatzinhalte
wenig spektakuläre passive Fähigkeiten

Wertung

PlayStation4

Der Totenbeschwörer fügt sich gut in die Charakter-Riege ein und bietet überraschend vielfältige Spielweisen. Nur der Preis ist ziemlich happig.

PC

Der Totenbeschwörer fügt sich gut in die Charakter-Riege ein und bietet überraschend vielfältige Spielweisen. Nur der Preis ist ziemlich happig.

XboxOne

Der Totenbeschwörer fügt sich gut in die Charakter-Riege ein und bietet überraschend vielfältige Spielweisen. Nur der Preis ist ziemlich happig.

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