Hitman HD Trilogy22.02.2013, Benjamin Schmädig
Hitman HD Trilogy

Im Test:

Geduld und Spucke. Und den Finger auf der "Spielstand laden"-Taste. Das braucht, wer Hitman spielt. Für diese früheren Episoden jedenfalls, Teil zwei bis vier, bevor das vor kurzem veröffentlichte Absolution der Serie einen modernen Anstrich verpasste. Denn wo der Auftragsmörder zuletzt durch ein geradliniges Abenteuer schlich, erforschte er früher weitläufige Anwesen – und tränkte deren Boden mit dem Blut von tausend Toden. Seinen eigenen Toden.

Kunststück

Es ist die Königsdisziplin hartgesottener Stealth-Action-Veteranen: Ungesehen eindringen,

Der kahlköpfige Auftragskiller bewegte sich vor den Augen seiner Opfer - wenn er es richtig macht, ohne gesehen zu werden.
Der kahlköpfige Auftragskiller bewegte sich vor den Augen seiner Opfer - wenn er es richtig macht, ohne gesehen zu werden.
den Auftrag erledigen und das Zielgebiet klammheimlich wieder verlassen. Im besten Fall ahnen Wachen nicht einmal, dass ein Agent an ihnen vorbei schlich. Einer wie Agent 47, für den ein Dasein im Schatten die Erfüllung seiner Berufsehre bedeutet.

47 ist ein Künstler. Ein Verwandlungskünstler, wenn er in fremden Kleidern unerkannt an Wachen vorbei spaziert. Ein Musiker, wenn er seinem Opfer mit einer Klaviersaite den Atem nimmt. Ein Akrobat, wenn er auf Zehenspitzen durch dunkle Winkel pirscht.

Er ist allerdings auch verflucht, immer wieder entdeckt und erschossen zu werden, wenn er die richtige Lösung für eine Situation noch nicht gefunden hat. Dann bleibt nur "Spielstand laden" und die Suche nach einem besseren Vorgehen.

Tausend Wege, tausend Tode

47 findet seinen Weg, indem er Gebiete und Personen in Ruhe untersucht. Er beobachtet Patrouillerouten, das Verhalten von Zivilisten und legt sich daraufhin einen Plan zurecht. Dann lenkt er sie mit einer Münze oder durch einen Anruf ab. Er schleust seine Pistolen

Zusätzlicher Download-Code

Die HD Trilogy enthält nicht nur die Teile zwei bis vier, sondern auch einen Code für die Sniper Challenge. Dabei handelt es sich um ein kleines Spiel, das im Zusammenhang mit dem aktuellen Hitman: Absolution veröffentlicht wurde. durch eine Wäscheklappe am Metalldetektor vorbei. Er mischt Rattengift ins Essen oder lässt Kronleuchter von der Decke fallen. Das Beobachten sowie die vielen Möglichkeiten, die Umgebung für sich zu nutzen, sind die große Stärke des Hitman.

Seine Crux sind die tausend Fehlversuche, weil genaues Beobachten und clevere Ideen nicht genug sind. Oft legen Wachen ein unvorhersehbares Verhalten an den Tag: Sie lösen urplötzlich Alarm aus, mitunter funktioniert eine Verkleidung aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht. Manchmal kann der Killer auch wegen der eigenwilligen Steuerung einfach nicht schnell reagieren. Und wer ungesehen arbeiten will, lädt dann eben je nach Schwierigkeitsgrad einen Spielstand oder beginnt von vorn. Kurz: Dieser frühe Hitman steht leider auch für frustrierendes Trial & Error.

Natürlich kann er sich durch nahezu jeden Abschnitt auch als Auslöser eines Bleigewitters kämpfen. Das gelingt allerdings nur geübten Attentätern gegen die zahlreichen Wachen. Die Spiele waren ohnehin nicht auf schnelle Action ausgelegt – beim Zielen und Schießen wirkt 47 denkbar ungelenk.

Da fehlt doch einer!

Immerhin: Um den ersten Teil müssen sich Besitzer der HD Trilogy keine Sorgen machen. Der ist nämlich nicht enthalten. Warum das Versäumnis? Womöglich war es den

Praktisch: Eine Tarnung, die es dem Mörder erlaubt, eine Waffe zu tragen.
Praktisch: Eine Tarnung, die es dem Mörder erlaubt, eine Waffe zu tragen.
Entwicklern zu aufwändig, die Bedienung des ausschließlich auf PC veröffentlichten Einstiegs zu modernisieren. Erst Teil zwei erschien auf Konsolen und ließ sich entsprechend einfach übertragen.

Auch mit Episode vier, Blood Money, erlaubt sich IO Interactive einen kleinen Schnitzer, denn die 360-Version läuft nicht auf 50Hz-Bildschirmen. Das war schon vor sieben Jahren so, als sie zu Beginn der aktuellen Konsolengeneration veröffentlicht wurde. Den kleinen Makel hätte man heute allerdings ausbügeln können. PS3-Besitzer müssen sich darüber keine Gedanken machen: Blood Money erscheint im Rahmen der HD Trilogy zum ersten Mal auf ihrem System – die 50Hz-Einschränkung gibt es in der frischen Umsetzung nicht.

Der moderne Weichzeichner

Im Gegenzug stottern sämtliche PS3-Fassungen bei schnellen Kameraschwenks. Zudem gibt es kleine Darstellungsfehler am unteren Bildschirmrand, die ebenfalls beim Ändern der Blickrichtung auftauchen. Das ist ärgerlich, zum Glück sind die Mankos aber so unscheinbar, dass sie nicht ins Gewicht fallen.  Und noch eine Kleinigkeit: PS3-Spieler schauen zwar auf schärfere Texturen, dafür liegt über dem 360-Bild ein behutsamer Weichzeichner, der bis zu einem gewissen Grad die harten Konturen der alten Grafik verschleiert. Die Darstellung auf der Microsoft-Konsole hinterlässt dadurch einen harmonischeren Eindruck.

Fazit

Die HD-Politur macht aus den alten Spielen keine grafischen Kunstwerke – alles in allem hat IO seine Killerserie aber sehr ansprechend für die kleine Neuauflage restauriert. Schade, dass Teil eins nicht dazugehören darf. Doch wie fühlt es sich an, mit dem ungelenken Auftragskiller durch die antiken Kulissen zu staksen? Überraschend gut! Es dauert eine Weile, bis man die eigenwillige Steuerung verinnerlicht. Und nach wie vor ist die Unvorhersehbarkeit, sind die unvermeidbaren Fehlversuche und Neustarts eine markante Schwäche der Hitman-Serie. Wer sich damit anfreunden kann, erlebt allerdings starke Stealth-Action, in der das genaue Beobachten, ein cleverer Plan und das lautlose Zuschlagen oberste Priorität haben. Die zahlreichen Möglichkeiten, über die Agent 47 mit seiner Umgebung interagieren kann, sind das Markenzeichen des eiskalten Killers – damals wie heute.

Einschätzung: gut

Wertung

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