

Im Test:
Der junge Mann und die Untoten
Ein einsamer Mann steht in einem spanischen Dorf. Drei Waffen hat er dabei, einige Heilkräuter sowie ein paar Granaten - und er ist nicht allein. Endlose Gegnerwellen werfen sich ihm geistlos in den Weg, im Sekundentakt fallen diese Freaks vor ihm in den düsteren andalusischen Staub. Pausenlos werden die Waffen nachgeladen, entfalten die Kräuter ihre heilende Wirkung an den erlittenen Wunden. Immer mächtiger werden die Feinde, immer größer wird ihre Zahl - oh, das Zeitlimit ist abgelaufen. Na gut.
Resident Evil: The Mercenaries 3D (ab 15,28€ bei kaufen) (Resi M) ist kein Resident Evil. Jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Die Serie definierte sich immer über mehr oder weniger subtilen Horror, um die Angst im Nacken angesichts der gnadenlosen Gegner, dem omnipräsenten Munitionsmangel sowie der meist recht käsigen, aber irgendwie doch fesselnden Handlung. All das gibt es hier nicht: Die Gegner sind Fallobst, das einzig und allein dafür da ist, den Punkte-Multiplikator hoch zu jagen, Munition liegt massenhaft herum, eine Geschichte gibt es nicht. Nur gut zwei Dutzend Einzelmissionen, in denen man innerhalb des Zeitlimits so viele Feinde wie möglich zerlegen muss. Ganz »The Mercenaries« eben, der Bonus-Modus, der in Resi 4 seinen Anfang nahm. Trotz 18er Freigabe hier übrigens fast komplett blutleer.
Ich bin unbesiegbar!
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| Recycling wird groß geschrieben: Jeglichen Inhalt kennt man bereits aus Resident Evil 4 und 5, es gibt keine neuen Inhalte - nur frische »Skills«, die man seinen Kämpfern zuweisen kann. |
Ein weiterer zu findender Bonus: die »Skills«. Das sind kleine Spielverbesserungen, vergleichbar mit den »Perks« aus dem Online-Modus von Call of Duty: Modern Warfare. Diese sorgen u.a. für mehr Waffenschaden, stabilisieren den Rückstsoß, machen das Heilspray effektiver oder verhindern Sofortkills seitens der dickeren Gegner. Allerdings werden diese Skills, die mit fortschreitender Anwendung immer besser werden, nur sehr langsam freigeschaltet, außerdem darf man maximal drei gleichzeitig mit sich herumtragen.
Wiedersehen macht Freude?
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| Zwei Spieler dürfen lokal und online kooperativ auf Untoten-Jagd gehen - allerdings nur in wenigen ausgewählten Levels. |
Die letzten Resi-Teile waren in einer Hinsicht ziemlich berüchtigt - nämlich in dem Stillsteh-Zwang beim Schießen. Das hat sich mittlerweile geändert: Wenn man möchte, kann man nun beim Zielen (entweder aus der Ego- oder Schulteransicht) hin und her laufen, allerdings bleibt die Waffenposition dabei in jedem Fall fixiert. Das ist zwar einerseits eine willkommene Neuerung, fühlt sich andererseits in diesem Spiel auch irgendwie fremd an, weswegen Zombie-Jäger alter Schule auch darauf verzichten können. Die werden sowieso ein Déjà-vu nach dem anderen haben, denn ausnahmslos jeder Inhalt wurde aus Resi 4&5 recycelt: Alle Spielfiguren kennt man, alle Levels, alle Waffen, alle Bonusgegenstände, einfach alles. Selbst die Gegner kommen direkt aus der Zweitverwertungstonne: Die Sensenschwinger, die Ziegenkopf-Hoschis, die Zombie-Bauerntölpel, die kreischenden Hausfrauen, die Riesenaxthammer-Schwinger oder die Doppelkettensägen-Wahnsinnigen.
Da strahlt der Handheld
Wenn es bei Resi M ein herausragendes Merkmal gibt, dann ist es die Technik. Das Schlechte vorweg: In der Distanz sehen die Gegner furchtbar aus; grob und hoppelig animiert - kommen sie allerdings näher, gewinnen sie erheblich an Details und
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| Technisch ist The Mercenaries 3D ein Schmuckstück auf dem 3DS: Levels, Gegner und Effekte sind über weite Teile erstklassig. |
Ein Wort zur im Vorfeld lang diskutierten Speicherproblematik: Ja, Resi M hat nur einen Spielstand, der ausschließlich automatisch gesichert wird und sich nicht zurücksetzen lässt - das ist sogar dem Handbüchlein einen knappen Satz wert. Den Neukäufer betrifft das präzise Null, der Gebrauchtkäufer bekommt aber u.U. ein Spiel, in dem jede Figur, jede Waffe, jeder Level, jede Klamotte und jeder Skill bereits freigeschaltet ist. Was grundsätzlich nicht schlimm ist, denn das Hauptaugenmerk des Spiels liegt in der optimalen Durchforstung jedes Levels. Aber das Freispielen der Extras macht trotzdem einen nicht unerheblichen Teil der Motivation aus - und dass Capcom diese bereitwillig beschneidet, ist schon sehr merkwürdig.
Fazit
Aus einem ursprünglich kostenlosen Bonus-Modus wird ein Vollpreisspiel - kann das gut gehen? Wenn man The Mercenaries 3D als reine Highscore-Jagd betrachtet, dann schon: Die ständige Suche nach der Verbesserung der Bewertung, der optimalen Level-Laufzeit und dem schnellsten Weg, dem Bossgegner die Doppelkettensäge über den Scheitel zu ziehen, ist am 3DS genau reizvoll wie seinerzeit an den Konsolen. Das Problem ist nur, dass das Spiel darüber hinaus nichts zu bieten hat: Alle Inhalte wurden aus den Teilen 4 und 5 recycelt, es gibt keinerlei Handlung, selbst der Koop-Modus ist halbgar - nicht mal die Hälfte der Levels ist im Team spielbar, eine Online-Kommunikationsmöglichkeit gibt es ebenso wenig wie Internet-Ranglisten. Was bleibt, ist ein technisch beeindruckender, spielerisch mickriger Action-Happen für die schnelle Ballerei zwischendurch, der kaum imstande sein dürfte, die Wartezeit bis Revelations zu überbrücken.
Pro
Kontra
Wertung
3DS
Eine simple Arcade-Ballerei, die schnell an Reiz verliert - sowohl allein als auch kooperativ.
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